Gestatten, Walter – Seite 15 – Teil 1 – Montagvormittag, Walter

Buch, Kultur

Täglich wird hier eine Seite einer Geschichte veröffentlicht – sie trägt den Arbeitstitel Gestatten, Walter und untersteht dem alleinigen Copyright von Pascal Wiederkehr. Die Geschichte stammt aus einem Manuskript, welches nur grob überarbeitet wurde, und kann deshalb Fehler in Grammatik und Rechtschreibung aufweisen.

Heute suche ich mir eine neue Bleibe. Irgendwo, in diesem kleinen Land. Hier glauben alle global zu sein, darüber muss ich immer lachen, global mit einer Kuhglocke um den Hals, damit man schon von weitem als Bauer angesehen wird, der nur drei Dinge kann: Schokolade machen, Kühe melken und auf das Geld anderer aufpassen. Es gab natürlich auch gute Seiten der pseudo Globalität. Die Reichen sind auch hier. Vereint in der Wiege der monetären Welt; dem Schoss der Abnabelung, der Geburtsstätte der Eigensinnigkeit, der Standarte der Neutralität, der Festung aller die sich nicht beherrschen lassen wollen. Aber wenn es darum geht ein Haus mit mehr als drei Stockwerken zu bauen, oder während den Fussballweltmeisterschaften in Restaurants und Bars Fernseher aufzustellen, ruft irgendeine Omi die Behörden auf den Plan. Der Schattenwurf des Hauses könnte möglicherweise die Petunien in den Vorgärten der Stadt zum Verwelken bringen. Viel besser ist es wenn das ganze Land voller einstöckiger Häuser wäre, weil sonst zu wenig Wohnraum vorhanden ist. Zersiedelung ist die Lösung für unsere Zukunft! Jeder freie Flecken Erde sollte überbaut werden, oder noch besser, niemand sollte mehr in den Grossstädten leben, damit sie dann täglich dank des bereits stark überstrapazierten Öffentlichen Verkehrs eine Stunde hin und eine zurück pendeln können. Was erzähl ich da, ich vergesse das bundesrätliche, unharmonische Orchester welches dies nicht unterstützt und Pendler rügt. In der Stadt zu wenige Wohnungen und Autofahrer zerstören unsere geliebte Erde. Hoch schlecht, tief gut, hohe Steuern schlecht, tiefe Steuern gut, hohe Bäume schlecht, kleine Büsche gut, grosse Menschen schlecht, kleine Menschen gut, grosse Elefanten gut, kleine Elefanten schlecht, kleine Brüste gut… das könnte man unendlich weiterführen. Aber was rege ich mich überhaupt auf? Ich wohne ja gar nicht mehr in diesem Land, warum bin ich dann also genervt? Sind es lange unterdrückte Heimatgefühle, gewisseermassen der nationale Gencode der sich nun mit dem Alter entfaltet? Fragen über Fragen die mich quälen, dabei sind es die dringenderen Fragen die hier nicht gestellt werden. Wie komme ich zu einer Bleibe? Für meine Arbeit brauche ich dringend eine Wohnung. Sonst wird das eine kühle Nacht. Dezember in dieser Stadt ist zu kalt um draussen auf einer Bank zu schlafen. Zur Not tut es auch ein Hotel obwohl ich nur ungern irgendwo meine Personalien hinterlasse. Die wachsen ja auch nicht auf Bäumen. Schade, es wäre so viel einfacher. Für jede Identität die ich besitze musste jemand sterben. Herr Müller wegen seiner Identität, Frau Müller weil sie ebenfalls im Haus gelebt hatte. Der Hund weil er zu laut bellte und eine Freundin von Frau Müller die unverhofft auf Besuch kam. Zum Glück lebte sie alleine sonst wäre ihr Verschwinden zu schnell aufgefallen. Das bringt Arbeit die niemand bezahlt. Und so viel Spass macht das echt nicht wenn man seinen Job ständig unbezahlt machen muss. Aufwand und Ertrag müssen stimmen, ein Gleichgewicht darstellen, zumindest für den Anfang. Irgendwann muss der Aufwand dann kleiner als der Ertrag sein. Meist ist er das ja auch. Viel kleiner, doch im Moment sehe ich schwarz. Schwarz wie bei Regenbögen.

Copyright Pascal Wiederkehr

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