Gestatten, Walter – Seite 30 – Teil 1 – Dienstag, Lea

Buch, Kultur

Täglich wird hier eine Seite einer Geschichte veröffentlicht – sie trägt den Arbeitstitel Gestatten, Walter und untersteht dem alleinigen Copyright von Pascal Wiederkehr. Die Geschichte stammt aus einem Manuskript, welches nur grob überarbeitet wurde, und kann deshalb Fehler in Grammatik und Rechtschreibung aufweisen.

Dienstag, Lea
Zürich

„Mach doch kein Theater!“, schrie Lea den Produzenten an. Ich hab dir doch gesagt, dass ich nicht bereit bin zurück zu gehen. Ich will meine Chance hier nutzen, sonst hätte ich nicht gewechselt „Komm beruhig dich mal“, antwortete ihr Produzent. Max, sonnengebräunt, sehr gut aussehend, kurz geschorenes Haar, freundliche Augen und versuchte Lea zu beschwichtigen. „Ich hab’s nicht so gemeint“, begann er, wurde aber sofort wieder von Lea unterbrochen. „Wie hast du es denn gemeint?“, fragte sie wieder gefasst, ihre Augen verrieten jedoch ihren Zorn. Max machte eine ausladende Geste, leckte mit der Zunge über seine Lippen und sagte. „Na hör mal, ich weiss es war heute schwierig neue Informationen für den Bericht zu kriegen, aber selbst mit dem Material hätte man viel mehr machen können. Dein Vorgänger hat auch aus dem grössten Mist noch was Anständiges zusammen gebracht. Hier wäre ein Interview mit der Pressesprecherin eine gute Option gewesen. Das war nicht das erste Mal. In diesem Business müssen Inhalte selbst generiert werden. Wenn wir keine Nachrichten haben, dann machen wir welche. Das letzte Mal, beim Bericht über den Schweigegeldskandal hast du auch viel zu schnell aufgegeben. Wir müssen uns doch nur die Konkurrenz ansehen – selbst das kleinste Käseblatt hatte damals mehr als wir und ich befürchte auch heute wird es nicht viel besser sein. Du hattest einen ganzen langen Nachmittag Zeit, jetzt ist es leider bereits zu spät. Hoffen wir das ich falsch liege.“ Darauf folgte eine Kunstpause, doch Max kam nicht mehr dazu etwas zu sagen. Lea sagte mit ruhiger Stimme: „Es gab nichts anständiges, wir wollen doch ehrlichen Journalismus betreiben und keine Fehlinformationen verbreiten. Sind das nicht deine Worte? Was hätte ein Interview gebracht, wieso soll denn eine Pressesprecherin heute mehr wissen? Wenn, dann hätte sie es doch der Polizei mitgeteilt und müsste vermutlich vor der Presse schweigen. Bei der Schweigegeldaffäre waren wir der einzige Sender der keine Fehlinformationen gebracht hat und am Ende keine Korrekturmeldung bringen musste.“ Diese Pause gefiel Lea, denn Max’ Stirn runzelte sich, er nagte auf der Unterlippe und dachte angestrengt nach. Natürlich hatte sie recht, er wusste es, sie wusste es, auch wenn er es vielleicht nicht zugeben würde. Soll er sie doch feuern, sie hatte genug. Das hier musste sie sich nicht antun. Es ist doch ein Hohn wenn man den Zuschauern keinen Scheiss servieren möchte und dafür vom Vorgesetzten zur Schnecke gemacht wird. Wo war da die Gerechtigkeit? „Verlass mein Büro und mach dich an deine Arbeit. Wir reden später. Ich muss darüber nachdenken. Morgen will ich mehr, viel mehr. Verstanden?“, sagte Max mürrisch. Lea nutzte die Gelegenheit und verzog sich schleunigst aus dem Büro.

Copyright Pascal Wiederkehr

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