Gestatten, Walter – Seite 45 – Teil 1 – Manhattan, New York, 1980

Buch, Kultur

Täglich wird hier eine Seite einer Geschichte veröffentlicht – sie trägt den Arbeitstitel Gestatten, Walter und untersteht dem alleinigen Copyright von Pascal Wiederkehr. Die Geschichte stammt aus einem Manuskript, welches nur grob überarbeitet wurde, und kann deshalb Fehler in Grammatik und Rechtschreibung aufweisen.

Manhattan, New York, 1980

Die Luft über New York flirrte, es war beinahe vierzig Grad, Kleider klebten am Körper. Die Taxifahrer hupten noch häufiger als sonst und unkontrollierter. Sommer 1980. Im April hatten vierunddreissigtausend Mitglieder der Transportgewerkschaft gestreikt und die Stadt für elf Tage völlig lahmgelegt. Mit zwanzig Jahren hatte ich meinen ersten Job überhaupt angenommen, dazu gleich noch im Ausland was meinen Eltern gar nicht passte. Das war mir damals natürlich ziemlich schnuppe. Ich versprach jede Woche anzurufen, vorsichtig zu sein und nicht in die falschen Kreise zu geraten. Nichts davon hielt ich ein. Ausserdem lebte ich ja bei meinem Onkel mütterlicherseits, wobei das nicht unbedingt ein Zeichen für Irgendwas war. Onkel Hans-Jakob war tagsüber Restaurantbesitzer, arbeitete abends aber nicht in diesem Lokal. Dafür hatte er einen kompetenten Stellvertreter. In der Nacht lebte er das Leben eines Partylöwen, schlief höchstens irgendwo im Park, frass Junkfood und stopfte ständig Drogen in allen Formen, Farben und Konsistenzen in sich hinein. Da meine Eltern Angst vorm Fliegen hatten, fiel ihnen so was nicht auf. An den Familientreffen zu Weihnachten oder runden Geburtstagen hielt er sich höflich zurück und machte stets einen eloquenten Eindruck. Ja so war Onkel Hans-Jakob, immer bereit auf die Partytrommel des Lebens zu schlagen. Zu meinen Aufgaben im Restaurant gehörten das Servieren und die Abrechnung der Kasse. Manchmal war das Restaurant so voll, dass ich alleine völlig überfordert war und Hans-Jakob deshalb weitere Kellner einstellte. Wir servierten Älplermagronen mit Apfelmus, Chügelipastete, Fondue, Omble chevalier mit karamelisiertem Fenchel, Raclette, Rösti, Wachtel-Saltimbocca im Kräutersud, Züri-Geschnetzeltes und einiges mehr. Am schlechtesten wurden durchwegs die Wachteln bestellt. Den besten Süsswasserfisch der Schweiz wiederum, der Omble chevalier oder Saibling, war ein absoluter Renner.

Copyright Pascal Wiederkehr

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