Gestatten, Walter – Seite 103 – Teil 1 – Samstag, Lea

Buch, Kultur

Täglich wird hier eine Seite einer Geschichte veröffentlicht – sie trägt den Arbeitstitel Gestatten, Walter und untersteht dem alleinigen Copyright von Pascal Wiederkehr. Die Geschichte stammt aus einem Manuskript, welches nur grob überarbeitet wurde, und kann deshalb Fehler in Grammatik und Rechtschreibung aufweisen.

Abends sass Lea unruhig auf der Couch, wechselte lustlos zwischen den wenig interessanten Fernsehprogrammen hin und her, wo steckte Jeff? Überstunden? Gerade jetzt wo sie doch dringend über ihren verheissungsvollen Verdacht sprechen wollte. „Der neue Wuranzhe, chinesischer Erfindergeist gepaart mit dem deutschen Reinheitsgebot, 4×4, keine Airbags, dafür zwei Gurte pro Sitz, Platz für Katze, Hund und ein Kind, jetzt erhältlich bei ihrem China German Motors Händler. Verpassen Sie nicht das Sonderangebot, zusammen mit der Abfrackprämie kriegen Sie den Wuranzhe beinahe kostenlos“, sagte die männliche Stimme im Off, das Bild zeigte einen hässlichen Kleinwagen der irgendwie starke Ähnlichkeiten zu anderen, bekannten Modellen hatte. Golf und Smart Mutant. Danach kündete der Privatsender den abendfüllenden Spielfilm „Rain Man“ mit Tom Cruise und Dustin Hofmann, danach sollte der erste Film von Kentin Tarantello gezeigt werden, „Pissoir Dogs“, wieder so ein brutaler Schinken des verrückt-genialen Regisseurs Tarantello. Wenn alles schief läuft muss ich noch Rain Man gucken, oder andere inhaltsleere Programme, Jeff komm endlich heim. Zwei Stunden später klickte das Schloss der Haustür, die Türfalle wurde hinunter gedrückt und Jeff trat triefnass in die Wohnung. „Hallo Schatz“, rief er schuldbewusst oder bildete sich Lea dies nur ein? „Guten Abend Herr Gemahl“, gab sie genervt zurück, „du hättest anrufen sollen, hätte beinahe die Polizei gerufen vor Sorge.“ Nachdem er sich im Bad die Haare geföhnt hatte, stand er lächelnd im Wohnzimmer und hob entschuldigend die Arme. „Ich weiss, entschuldige, aber ich war wirklich völlig unter Druck, ich bin von Sitzung zu Sitzung gehetzt, zwei Morde innerhalb kürzester Zeit, auf die selbe Weise verübt und jetzt auch noch dieser Mord an einem Schweizer in London, toll für euch beim Fernsehen, nicht?“ Lea runzelte verärgert die Stirn, toll für euch beim Fernsehen? Ja ganz toll, wir lieben es wenn Menschen sterben. Moment, einige meiner Kollegen tun das ja leider. „Deswegen möchte ich dringend mit dir reden, wirklich dringend, los setz dich und hör zu“, sagte Lea, Jeff folgte ihrem Befehl und setzte sich neben sie auf die Couch. „Für meinen Bericht habe ich recherchiert und ein weiteres interessantes Detail herausgefunden. Auch Moritz Wegmüller, der Tote in London, war ein Schulfreund von Britta Hauser und Christoph Caminada gewesen. Bevor ich dies wusste hatte ich mit deren ehemaligem Lehrer gesprochen, ein alter Mann, Elefantengedächtnis, bisschen eigenartig, besitzt eine grosse Max Frisch Sammlung. Zurück zum Thema, halte dich fest, der nette, gesprächige Lehrer erzählte, dass die drei Toten beste Freunde gewesen waren“, berichtete Lea bis ihr Mund trocken war. Jeff murmelte etwas unverständlich. „Gut und Recht, beste Freunde? Die wechseln die Kinder in diesem Alter doch in jeder neuen Schulstufe, das kann alles nur ein grosser Zufall sein, auch wenn wir eine eher geschäftliche Verbindung zwischen Hauser und Caminada suchen“, erklärte er. Theatralisches Augenrollen Leas folgte darauf. „Zufall? Interessant, drei ehemalige Oftringer Schüler, alle drei ermordet, oder glaubst du an die Theorie mit dem Rechtsextremen, Schweizer hassenden Engländer? Aber ich habe dir noch nicht alles erzählt. Die dreier Gruppe war eigentlich eine vierer Gruppe, nur wurde der vierte Freund, namentlich Professor Doktor Beat Luggisberg, nach gewissen Vorfällen in der Schule, im Wald angebunden und dort gelassen. Danach war er nicht mehr der Selbe, schon vorher eher verschlossen, nach der Sache noch viel verschlossener.“ Die nächsten Sekunden waren von Stille beherrscht, jedoch wirklich nur Sekunden, dann brach Jeff in schallendes Gelächter aus, klatschte in die Hände und stand unbeholfen von der Couch aus, er begutachte Lea die ihn fassungslos anstarrte. „Wenn das wahr ist, dann frage ich mich, was ich die letzten Tage mit meinen Kollegen gemacht habe, unglücklich für nichts gearbeitet, denke ich“, sagte er mit ungewöhnlich lauter Stimme, dann setzte er sich wieder neben Lea, sah ihr tief in die Augen und küsste sie innig.

Copyright Pascal Wiederkehr

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