Gestatten, Walter – Seite 112 – Teil 1 – Sonntag, Lea

Buch, Kultur

Täglich wird hier eine Seite einer Geschichte veröffentlicht – sie trägt den Arbeitstitel Gestatten, Walter und untersteht dem alleinigen Copyright von Pascal Wiederkehr. Die Geschichte stammt aus einem Manuskript, welches nur grob überarbeitet wurde, und kann deshalb Fehler in Grammatik und Rechtschreibung aufweisen.

Eine Stunde später fand das Verhör seine Fortsetzung, zusammen mit dem Anwalt und ohne Jeff, der durch einen jüngeren Kollegen ersetzt worden war. Der Kollege hatte ehrliche, stahlblaue Augen und sah Luggisberg direkt an, ihm schien das unangenehm zu sein. „Nun möchten Sie Ihre Erzählung fortsetzen oder wie haben Sie sich entschieden?“, fragte der junge Kollege freundlich. „Ich, also wir…“, begann Luggisberg, wurde aber sofort durch seinen Anwalt unterbrochen. „Herr Professor Luggisberg hat mir alles haarklein erzählt und ich werde dies Ihnen nun weitergeben“, sagte der Anwalt, darauf zuckte der Anwalt mit den Schultern. „Herr Luggisberg kannte die zwei tragischen Opfer aus seiner Schulzeit, Sie waren ehemalige Freunde, die wie es bei Kindern so ist, irgendwann unterschiedliche Wege gingen. Nie hatte Beat Luggisberg seither Kontakt, weder mit Britta Hauser noch Christoph Caminada, er war ebenso bestürzt wie alle anderen die davon gehört hatten, ist Mord doch sehr verwerflich.“ Zwei Atemzüge später lächelte der junge Kollege und besah den Anwalt und Luggisberg aus der Distanz, so sah es zumindest aus. „Gut, dann fragen wir uns warum Luggisberg bei der ersten Einvernahme Dinge wie: „Beat! Mir graut vor dir!“ geschrien hatte und sehr verzweifelt wirkte, ausserdem geht es, wie Sie sehr genau wissen um drei Opfer, alle ehemalige Freunde von Herr Luggisberg. Ist das ein Zufall?“, fragte er und sah den Anwalt herausfordernd an. Man konnte sein Hirn rattern hören, kleine Zahnräder die ineinander griffen, arbeiteten in mörderischem Tempo. „Alles Zufälle. Zufälle geschehen und Sie haben weder Indizien noch genaue Beweise die das Gegenteil beweisen konnten.“ Das war in der Tat korrekt, die Einvernahme wurde beendet und Luggisberg marschierte, vorläufig, als freier Mann aus dem Polizeigebäude. Wieder bei Jeff im Büro sah Lea betrübt an die Decke. Dort kroch eine kleine Spinne und schien zu lachen. Jeff jedoch lachte fröhlich, Lea verstand überhaupt nicht warum. „Warum bist du so glücklich, Jeff, wir haben verloren, keine Beweise, nur Hinweise, die nichts bringen, was sollen wir nun tun?“, fragte Lea, die Worte sprudelten aus ihrem Mund. „Ach so schlecht ist es nicht, wir haben Luggisbergs Eier in der Hand, falls er denn welche haben sollte. Wir werden weitere Beweise finden und wie ich Luggisberg kenne, wird er sich sowieso bald selbst töten weil er mit der Schuld nicht leben kann. Vielleicht kriegen wir Ihn nicht hinter Gitter, aber glaub nicht daran, dass sein Leben kein Gefängnis für ihn sein wird, er ist ein kranker, fetter Mann ohne Rückgrat. Das Problem mit den Beweisen ist, dass er die Morde sicherlich nicht begannen, sondern nur angeordnet, hatte. Da bin ich mir sicher.“ Lea rümpfte die Nase, weder hatte das Justizsystem dann gegriffen, noch hatte sie ihren Topbericht, damit konnte sie nicht zufrieden sein. „Du bist also zufrieden wenn die Schuld ihn auffrisst und lässt jemanden laufen der wohlmöglich Auftragsmörder kennt, die wiederum frei blieben werden?“, sagte sie wütend und funkelte Jeff an. Augenrollen half nicht die aufgebrachte Lea zu beruhigen und Jeff tat es zu offensichtlich. „Ach findest du das jetzt etwa lächerlich?“
Copyright Pascal Wiederkehr

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