Gestatten, Walter – Seite 121 – Teil 1 – Montag, Lea

Buch, Kultur

Täglich wird hier eine Seite einer Geschichte veröffentlicht – sie trägt den Arbeitstitel Gestatten, Walter und untersteht dem alleinigen Copyright von Pascal Wiederkehr. Die Geschichte stammt aus einem Manuskript, welches nur grob überarbeitet wurde, und kann deshalb Fehler in Grammatik und Rechtschreibung aufweisen.

Montag, Lea
Zürich

„Herr Professor, lassen Sie mich doch bitte hinein, ich will doch nur einige Fragen stellen, alle Schweizer wollen wissen wie einer der intelligentesten Mitbürger auf den Tod von drei besten Freuden reagiert“, sagte Lea ausserordentlich freundlich, setzte ein vertrauenerweckendes Lächeln auf und hoffte damit Beat Luggisberg erweichen zu können, der sie ganz bestimmt durch die Kamera der Rücksprechanlage aufmerksam beobachtete. „Gehen Sie, jetzt!“, hörte sie ihn knackend und rauschend antworten, doch Lea gab nicht auf, nicht nach den ernüchternden Ereignissen von gestern. Sie hatte sich am nächsten Morgen bei Jeff für das unglückliche Ende des Abends entschuldigt, wobei sie es eigentlich gar nicht gemeint hatte, weil sie gar nicht wütend auf ihn war, nur enttäuscht, mehr von der Welt als vor ihm, irgendwie konnte sie Jeffs Standpunkt ja auch verstehen. „Gut ich kann ja verstehen, dass Sie Angst haben vor die Kamera zu treten, viele gewöhnliche Menschen haben Angst vor der Öffentlichkeit, nur hätte ich es nicht gerade von Ihnen erwartet. Wirft ja auch kein wirklich gutes Licht auf Sie, normalerweise sprechen eloquente Persönlichkeiten gerne mit den Medien, sie wollen der Welt zeigen was Sie auf dem Kasten haben, aber es müssen ja auch nicht alle eloquenten Persönlichkeiten die Medien gerne mögen“, redete Lea ihren Mund fusselig und warf dabei das letzte Ass auf den Tisch, es musste zum Joker werden. Gefühlte Stunden blieb es stumm, dann ging die Tür und ein missmutiger, dicker, hässlicher Mann in Trainingsanzug wankte vor die Tür, besah Lea finster und winkte sie hinein. „Dann kommen Sie schon rein, los“, sagte er unruhig. Lea und ihr Kameramann folgten Luggisberg in sein Büro, alle Wände waren bedeckt mit Karten, Weltkarten, alten Karten, Sternenkarten und was weiss noch für Karten, Karten die beinahe auseinander bröselten, Karten die brandneu waren und Karten in denen Nadeln steckten. „Setzen Sie sich, ausser Sie stehen lieber, keine Frau soll in meinem Haus behaupten, ich hätte Sie zu etwas gezwungen“, sagte er, deute auf einen Schaukelstuhl und wirkte enttäuscht da niemand über seinen Witz lachen wollte.

Copyright Pascal Wiederkehr

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