Gestatten, Walter – Seite 126 – Teil 1 – Montag, Walter

Buch, Kultur

Täglich wird hier eine Seite einer Geschichte veröffentlicht – sie trägt den Arbeitstitel Gestatten, Walter und untersteht dem alleinigen Copyright von Pascal Wiederkehr. Die Geschichte stammt aus einem Manuskript, welches nur grob überarbeitet wurde, und kann deshalb Fehler in Grammatik und Rechtschreibung aufweisen.

Montag, Walter
Oslo

Kalt fühlt sich die Klinge an, die meinen Hals berührt, die Kehle bedroht, meine Kehle. Der feine Schnitt lässt mich innerlich schreien, ich spüre wie die scharfe Klinge die dünne Haut am Hals aufreisst, weiter eindringt, das Blut drückt gegen die kalte Klinge, mein warmes Blut rinnt aus meinem Hals, dann immer schneller, ich versuche die Wunde mit meinen Händen abzudecken, die Klinge bedroht die Kehle längst nicht mehr. Der wichtige Lebenssaft verlässt meinen Körper und mir wird schwarz vor den Augen, ich blicke noch auf meine Hände, sie triefen, rotes, klebriges Blut tropft von den Fingern. Dann wache ich auf, schwitze wie ein Schwein und sehe mich geschockt im Zimmer um. Ich liege in meinem Bett, in meinem Schlafzimmer, ich bin nicht tot. Kein tiefer Schnitt an der Kehle, ich lebe, hurra, was für ein grässlicher Alptraum. Mittels Fernbedienung schalte ich die Stereoanlage ein, die CD beginnt zu rattern und dreht dann ruhig ihre Kreise, aus den Lautsprechern ertönt ein elektronisches Feuerwerk auf dessen Höhepunkt Brandon Flowers von The Killers Stimme einsetzt und kurz darauf von Gitarren eingerahmt wird, hintergründiger Indie Rock ist genau was ich brauche. „Bling confession of a King“ heisst das gute Stück – wie ich glaube – und sofort bin ich animiert wenigstens den Refrain mitzukrächzen „When I offer you survival, You say it’s hard enough to live, And I’ll tell you when it’s over, Shut up poor and tired, But more than this“, ich treffe seltener die Töne als der geneigte Casting Show Zuschauer, mir kann es egal sein, ich bin hier alleine in meiner Traumwohnung und die Wände sind dick. „Wenn ich dir das Überleben anbiete, sagst du es sei schon schwer genug zu leben, und ich sage wenn es vorbei ist, verstumme arm und müde, aber es gibt mehr als das.“ Die Musik der Killers, passend nicht? Erschreckend passend, wie ich finde, begleitet mich der Ton der Musik ins Wohnzimmer wo ich gemütlich auf die grosszügige Couch liege, und den grossen Flachbildschirm von Panasonic einschalte. Wenn schon Lärm herrschen muss, dann wenigstens richtig. Trotzdem gehe ich Sekunden später zurück ins Schlafzimmer und schalte die Stereoanlage aus. Ich erstarre urplötzlich. War da was?

Copyright Pascal Wiederkehr

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