Die Wappen könnten bald verschwinden

Lokal, Medien, Schweiz, Zeitungen

Zuerst veröffentlicht in «Zürich 2» vom 28. Juli 2016.

Nur Affoltern und Leimbach haben kein Tram 2000 mit Wappen. Bald verlieren auch die restlichen Stadtteile ihre Quartiertrams, weil die VBZ neue Fahrzeuge kaufen. Ob es wieder Trams mit Wappen geben wird, ist offen.

Die VBZ wollen neue Trams kaufen. Im Mai haben sie den Zuschlag an Bombardier für 70 Flexity-Trams bekannt gegeben. Geplant ist, dass diese das Tram 2000 ersetzen – je nachdem, wie das Verwaltungsgericht entscheiden wird. Denn Stadler Rail und Siemens haben Beschwerde gegen die Vergabe eingereicht. Doch unabhängig davon wird die Tramgeneration aus dem Jahr 1976 aus dem Strassenbild Zürichs verschwinden. «Wir müssen sie leider ersetzen, weil wir die gesetzlichen Anforderungen damit nicht mehr erfüllen können», sagt Andreas Uhl, Mediensprecher der VBZ. Das Behindertengleichstellungsgesetz verlange bis 2023 niederflurige Fahrzeuge.

Verbundenheit mit Stadtteilen
Durch die Ausrangierung verlieren viele Zürcher Quartiere auch ihre eigenen Trams. Mit den Wappen sollte in den 70er-Jahren die Verbundenheit der VBZ zu den Stadtteilen demonstriert werden, so Bruno Gisler, Tram-Profi und VBZ-Mitarbeiter. «Die Präsidenten der Quartiervereine wurden angeschrieben, mit der Offerte, gegen eine Kostenbeteiligung ein Fahrzeug mit dem Wappen ihres Quartiers zu versehen», erklärt Gisler. Während sogar das tramlose Witikon ein Tram «besitzt», hätten sich die ebenfalls tramlosen Quartiere Affoltern und Leimbach als Einzige nicht zu einer Teilnahme entschliessen können. «Intern hatte die Namensgebung kaum Konsequenzen», so VBZ-Sprecher Uhl. Sie sei auch bei der Beschickung der Linien nicht berücksichtigt worden. Will heissen: Die Trams werden unabhängig vom Wappen in verschiedenen Stadtteilen eingesetzt.

Danach verzichtete man bis auf eine Ausnahme auf weitere Tramtaufen. Uhl: «Bei den Cobra-Trams wurde das Fahrzeug 3001 im Jahr 2001 auf den Namen Stadt Zürich getauft.» Es habe keine weiteren solche Taufakte bei den Cobras gegeben, erklärt Uhl, «und die Tatsache, dass das Fahrzeug 3001 diesen Namen trägt, ist in Vergessenheit geraten».
Möglicherweise wird die Tradition der Namensgebung bei den neuen Flexity-Trams fortgesetzt. In einer ersten Tranche werden 70 neue Fahrzeuge beschafft. «Dies lässt mindestens theoretisch eine grössere Zahl von Widmungen, seien es Persönlichkeiten, Quartiere, Strasse oder was auch immer, zu», sagt Uhl. Die VBZ würden das zu gegebener Zeit gerne prüfen. Uhl: «Im Moment sind wir damit beschäftigt, den Rekurs gegen unseren Vergabeentscheid abzuwehren.»

Verschrottung nicht geplant
Doch was passiert mit den alten Trams, werden sie verschrottet? «Die Fahrzeuge sind sehr robust und irgendwie auch zeitlos elegant», so Uhl. Es könne durchaus sein, dass sich Interessenten aus anderen Städten melden. Die Vorgängerserie (Mirage-Trams) fährt in grosser Zahl in der Ukraine. «Es würde mir persönlich das Herz zerreissen, wenn ich zusehen müsste, wie ein Tram 2000 verschrottet wird», fügt Uhl an.

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