Obwohl der Film «Bridget Jones’s Diary» schon etwas Staub angesetzt hat: Der Zusatz des deutschen Titels – Schokolade zum Frühstück – passt fast perfekt zum morgigen Katerfrühstück. Doch ob 2017 so bitter weitergeht, wie das vergangene Jahr geendet hat, oder vielleicht doch etwas süsser wird, hängt von jedem Einzelnen ab.

2016 brachte uns President-elect Donald Trump, Flüchtlinge, die humanitäre Katastrophe im Syrien-Krieg, die Anschläge in Nizza und Berlin, der Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union, grosse Wahlerfolge der Alternative für Deutschland (AfD) und das Desaster um die österreichischen Präsidentschaftswahlen. Nur einige Höhepunkte, die uns 2016 serviert hat. Alles in allem war es ein Jahr geprägt von Populismus, Angst, Verunsicherung und Einigelung. Beinahe kein Land der westlichen Welt, welches sich nicht einigeln möchte. Gerade in Europa ist eine starke Tendenz zur Abschottung festzustellen. Ein Blick in die Geschichte zeigt aber, dass Emigration für die Bevölkerung des Kontinents früher die einzige Möglichkeit war. Auch die Grenzen in Europa waren lange Zeit nicht fest, wurden immer wieder durch Kriege verändert und künstlich gezogen.

1291 wird von der Schweiz als Geburtsjahr gefeiert, dabei gab es damals nur ein paar Gebiete, die sich zusammentaten und sich langsam mehr Freiheiten erarbeiteten – weiterhin unter fremden Herrschern. 1499 verteidigte man im Schwabenkrieg zwar die Ansprüche auf faktische Unabhängigkeit gegen die Habsburger Herrscher, verstand sich aber weiter als Teil des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Erst im Westfälischen Frieden 1648 sei der Schweiz die Exemtion vom Reich, also die Freistellung von Lasten und Pflichten, zugestanden worden, so das «Historische Lexikon der Schweiz». Von Schweizer Identität konnte trotzdem noch lange nicht die Rede sein. Und auch in anderen Ländern Europas veränderten sich die Grenzen häufig. Man darf also nicht davon ausgehen, dass in den nächsten hundert Jahren alles so bleiben wird, wie es aktuell ist.

Europa ist längest mehr als ein Kontinent mit einzelnen Staaten. Nationalstolz ist gut und recht, wenn man im Fussballstadion sitzt und «seine» Mannschaft anfeuert oder den Nationalfeiertag feiert. In einer globalisierten Welt interessieren Grenzen aber nur auf dem Papier. Mit oder ohne EU: Unsere Gesellschaft funktioniert durch ein Miteinander aller Bürger – egal in welchem Land. «Wo Europa – wie im globalen Wettbewerb, beim Schutz unserer Aussengrenzen oder bei der Migration – als Ganzes herausgefordert wird, muss es auch als Ganzes die Antwort finden – egal wie mühsam und zäh das ist», sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel heute Abend in ihrer Neujahrsansprache.

Statt uns über Flüchtlinge aufzuregen, wenn sie vor unseren Toren stehen, müssen Lösungen gesucht werden, damit diese Menschen keinen Grund mehr zur Flucht haben. Das funktioniert nicht, wenn ein Land einen Alleingang macht oder ein anderes die Grenzen schliesst. Alleine können wir keine Krisen lösen. Und diese bringt uns 2017 ebenso wie 2016. Das nächste Jahr wird nicht süss wie Schokolade. Dafür haben wir zu viele offene Baustellen. Bei den Präsidentschaftswahlen in den USA verlor Hillary Clinton unter anderem, weil viele «Demokraten» sie nicht wählten. «Trump did not win because he was more attractive to this base of white voters. He won because Hillary Clinton was less attractive to the traditional Democratic base of urban, minorities, and more educated voters», schreibt «Forbes». Hinzukommt, dass beispielsweise die Mehrheit der Anti-Trump-Demonstranten in Portland gar nicht an die Urne ging.

Jeder einzelne hat in einer Demokratie eine Stimme, doch wir jammern lieber über unser Schicksal, statt es selbst in die Hand zu nehmen. In Westeuropa haben wir glücklicherweise die Freiheit, wählen und abzustimmen zu dürfen. Die Frage ist wie lange noch, wenn die Gleichgültigkeit weiter zunimmt. Wir alle können dafür sorgen, dass 2017 zumindest nicht so bitter wird, wie Schokolade auch schmecken kann.

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