Braucht es bald 11 statt 9 Stadträte?

Zuerst veröffentlicht als Kolumne in «Zürich 2» vom 15. März 2018 Jede Woche tagt der Zürcher Gemeinderat – bald in neuer Zusammensetzung. Doch was sich trotz Parteienrochade nicht ändern dürfte, ist die Flut von schriftlichen Anfragen, Postulaten oder Interpellationen, mit denen die Volksvertreterinnen und Volksvertreter Woche für Woche den Stadtrat eindecken. SPler Florian Utz wollte mit 35 Mitunterzeichnenden im Januar unter anderem wissen, ob der Stadtrat bereit sei, dafür zu sorgen, dass das Tiefbau- und Entsorgungsdepartement (TED) «inskünftig keine Glasflaschen auf Velowegen mehr zerschlägt». Hintergrund war ein Artikel im «Beobachter» gewesen. Notabene hatte es sich das TED zwar in einer öffentlichen Stellungnahme geäussert, aber die Antwort befriedigte die Wissbegierde der Politiker offenbar nicht. Noch stärker…

Sorry, aber es wären einfach zu wenige Bürgerinnen und Bürger bereit, dafür zu zahlen

Es scheint, als ginge es um sein oder nicht sein. Am 4. März 2018 wird über die Volksinitiative «Ja zur Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren» abgestimmt. Schon vor dem Jahreswechsel gab es in der Schweiz kaum ein anderes Thema mehr. Zumindest in den Medien. Und das ist auch kein Wunder: Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG), die Betreiberin der öffentlich-rechtlichen Sender, ist eine wichtige Arbeitgeberin in der Branche. Rund 6000 Mitarbeitende zittern um ihren Job – so zumindest die schlimmsten Befürchtungen der SRG-Verantwortlichen. Die Initiative nennt sich im Volksmund «No Billag». Das Unternehmen Billag treibt aktuell die Rundfunkgebühren ein. Und…

In eigener Sache: Ich bin neuer Redaktor beim «Zürich 2»

Viel gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen: Es passiert selten genug, dass ein Journalist selbst auf der Front einer Zeitung verewigt wird. Seit Januar 2016 arbeite ich beim Zürcher Verlag Lokalinfo als Redaktor und Stellvertreter bei Ferienabwesenheiten. Seit heute bin ich offiziell Redaktor der Quartierzeitung «Zürich 2». Diese erscheint wöchentlich im Kreis 2 in Zürich, zu dem die Quartiere Enge, Leimbach und Wollishofen gehören, sowie in der Nachbarstadt Adliswil. Ich freue mich ausserordentlich auf die neue Herausforderung.

Der Musiker Bruno Spoerri in seinem Tonstudio.

Spoerri: «Es braucht alles etwas mehr Zeit»

Zuerst veröffentlicht in «Züriberg» vom 12. Oktober 2017. Angefangen hatte er mit Musik für Werbespots. Heute gilt der Jazzmusiker Bruno Spoerri als Pionier der elektronischen Musik. Im Oktober tritt der 82-Jährige mehrmals in Zürich auf. Es war ein kleiner Sieg gegen einen Musikgiganten, doch es hatte sich gelohnt: «Jay Z hat ‹99 Problems› und eins mehr. Es heisst Bruno Spoerri», titelte «SRF.ch» 2015 provokativ. Das Onlineportal des Schweizer Radio und Fernsehens bezog sich dabei auf den bekannten Hip-Hop-Song «99 Problems» von Jay-Z. Für den Song «Versus» kupferte der amerikanische Rapper ein Teil von Spoerris Track «On the Way» ab. Anwälte…

Save the journalists

I’m a local journalist. Some might consider me a community journalist. The definitions for community journalism vary. According to Jock Lauterer, lecturer in journalism at the University of North Carolina at Chapel Hill, and author of „Community Journalism: Relentlessly Local”: “You know community journalism when you see it.” In some ways, this seems like the Holy Grail of definitions to me. You’ll notice community journalism. There is no big picture of a national politician on the front page unless they happened to visit the town. And if a storm hits a foreign country, you’ll only read about it in the…

Mein Erdbeer-Trauma

Zuerst veröffentlicht als Kolumne im «Züriberg» vom 22. Juni 2017. Als ich vor kurzem im Coop im Letzipark einkaufen ging, hatte ich nicht ahnen können, wie mein innerer Seelenfrieden ins Ungleichgewicht geraten würde. Ich fand mein liebstes Käse-Sandwich nicht. Vielleicht war es ausverkauft, wer weiss, auf vertiefte Recherchen habe ich verzichtet. Doch das Erlebnis löste etwas aus: Ich erinnerte mich an einen früheren Verlust. Ich erinnerte mich an die stichfesten Erdbeer-Joghurts in der Migros. Eines Tages waren sie plötzlich verschwunden. Dabei haben die mir so wunderbar geschmeckt. «Über den Zeitpunkt oder Grund der Auslistung des stichfesten Erdbeer-Joghurts können wir auf die Schnelle…

Wie ich versuche meine Branche zu retten – Schritt 1

Seit kurzem bin ich Abonnent des «National Geographics». Also richtig, mit Rechnung (eigentlich Kreditkarte) und so. Doch weshalb schreibe ich das? Aus einem einfachen Grund: Ob «Tages-Anzeiger», «Neue Zürcher Zeitung», «Die Welt», «The New York Times» oder «The Washington Post», kaum hat der Monat angefangen, ist es immer dasselbe – ich stehe vor der Paywall. «You have reached your article limit» muss ich dann bei der «NY Times» ziemlich klein lesen. Deutlich grösser dafür: «Discover the truth with us». Diese sogenannte Metered Paywall erlaubt es, eine gewisse Anzahl Artikel kostenlos zu lesen, bevor man bezahlen muss. Im Gegensatz dazu stellte beispielsweise…

Lass deine Freunde machen was sie wollen – Vergleiche sind der Anfang vom Ende

Beziehung. Was ist das eigentlich genau? Während einige in meinem Alter bereits an ihrem Nest bauen, fühle ich mich noch viel zu jung dazu. Also nicht «Jung, wild & sexy», wie in der gleichnamigen (dämlichen) Sendung des Schweizer Privatsenders «3 Plus», aber auch nicht «My Big Fat Greek Wedding» reif. Nicht nur, weil meine Freundin keine Griechin ist. Immerhin befinden sich viele meiner Freunde noch im ähnlichen Lebensabschnitt wie ich. Gewisse studieren noch, andere haben erst gerade abgeschlossen und einigen fehlt schlicht und einfach die Partnerin oder der Partner. Meiner Freundin geht es ähnlich, doch sie verspürt den Druck als Frau noch…