Ich, der Apfelkenner

Legen wir die Fakten auf den Tisch: Diese Seite könnte deutlich mehr Besucherinnen und Besucher vertragen. Allerdings ist es ja nicht gerade so, als würde ich mit meinen selten gewordenen Beiträgen überhaupt den Versuch wagen, mehr Leserinnen und Leser anzulocken. Nun denn, umso schöner, wenn man plötzlich seit einigen Tagen Referrals von völlig ungeahnter Herkunft erhält – nämlich vom deutschen Wikipedia.

Trommelwirbel… Hintergrund ist ein Artikel, den ich 2016 für den leider eingestellten Schweizer «Wochenspiegel» geschrieben habe, nämlich über die Apfelsorte Sternapi. Während der Text zu seiner Zeit nicht einmal für einen bösen Anruf gesorgt hat, scheint er zwei Jahre später nun dafür umso beliebter zu sein.

Screenshot Wikipedia-Seite zur Apfelsorte Sternapi

Ich weiss nicht, wem ich diese Ehre zu verdanken habe – aber danke an Unbekannt. Und übrigens: Schon vor ein paar Wochen hat mich jemand netterweise auf seinem Blog wegen des Sternapi-Artikels verlinkt. Auch dafür nachträglich danke.

Fazit: Ich sollte mehr über (alte) Apfelsorten schreiben.

Mein Erdbeer-Trauma

Zuerst veröffentlicht als Kolumne im «Züriberg» vom 22. Juni 2017.

Als ich vor kurzem im Coop im Letzipark einkaufen ging, hatte ich nicht ahnen können, wie mein innerer Seelenfrieden ins Ungleichgewicht geraten würde. Ich fand mein liebstes Käse-Sandwich nicht. Vielleicht war es ausverkauft, wer weiss, auf vertiefte Recherchen habe ich verzichtet. Doch das Erlebnis löste etwas aus: Ich erinnerte mich an einen früheren Verlust. Ich erinnerte mich an die stichfesten Erdbeer-Joghurts in der Migros. Eines Tages waren sie plötzlich verschwunden. Dabei haben die mir so wunderbar geschmeckt. «Über den Zeitpunkt oder Grund der Auslistung des stichfesten Erdbeer-Joghurts können wir auf die Schnelle keine genaue Antwort geben», teilte Christine Gaillet, Mediensprecherin der Migros, auf Anfrage mit. «Was wir aber sagen können, ist, dass wir seit längerem kein stichfestes Joghurt mehr aus dem Sortiment genommen haben.» Vor kurzem vielleicht nicht, denke ich mir da, aber vor einigen Jahren schon, füge ich im Geiste an.

Wenn also selbst die Migros nicht weiss, was mit dem stichfesten Erdbeer-Joghurt passiert ist, dann ist alle Hoffnung verloren. Für einen Moment habe ich sogar an mir selbst gezweifelt. War das Joghurt nur eingebildet? Nein. Auf Migipedia, der Online-Community der Migros, schrieb schon 2014 der User Wasa62: «Ich wünsche mir seit Jahren nichts sehnlicher als diese Joghurts wieder im Regal.»
Gemäss dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» verkauft Emmi beispielsweise keine stichfesten Früchte-Joghurts, weil die Früchte auf den Boden sinken und das die Konsumenten nicht mögen. Stichfeste Joghurts mit Früchte-Geschmack, die man im Ausland sehe, seien nicht mit echten Früchten, sondern nur mit Früchtearoma gemacht.

Aber zurück zu meinem aktuellen Problem: Wo ist das Käse-Sandwich geblieben? Ich kann nur hoffen, dass ich in Zukunft nicht wie- der so ein Trauma erleben muss. Man stelle sich vor, Migros würde irgendwann Pepsi Max aus dem Sortiment nehmen – gottbewahre!

Was ist das Besondere?

Man hört es ständig, ob im Fernsehen oder in Zeitungen: Restaurants setzen heute auf Produkte aus der Region. Toll. Egal ob in Ungarn, Deutschland, den USA, irgendwo in China, oder in Bern-Bümpliz, es wird auf die Umwelt geachtet, es werden hauptsächlich oder ausschliesslich BIO-Produkte verwendet, und man ist ja so naturverbunden. Die Restaurants stellen dies meist von Anfang an klar. Aber wenn es jeder macht, was ist dann daran noch besonders?

Ich frage mich ebenso, warum in Schweden schwedische Produkte besser sein sollen, während die Schweizer doch sagen, schweizer Produkte seien die besten, und man in Deutschland auf deutsche Produkte schwört. Was ist also das Besondere? Reagiert der nationale Gaumen besser auf Produkte aus der Region, ist die Qualität nachweisbar besser, oder alles nur Marketing? Wenn alle immer so auf Qualität achten, dann muss ich mir den Gammelfleisch-Skandal, oder den Betrug mit Bio-Eiern, wohl nur eingebildet haben…

Ich persönlich setze – wenn es mein Geldbeutel zulässt – ebenfalls auf Produkte aus der Region. Eine Ausnahme bin ich aber nicht, weil es viele so machen – wie die vielen Einkaufswagen voller Bio-Produkte jeweils beweisen.

Deshalb gilt früher wie heute: Jeder kann machen was er will, weil jeder zu dem steht, was er macht (siehe Video).