René Fasel: «Ich bin ein grosser Tomaten-Fan»

Zuerst veröffentlicht in «Zürich 2» vom 4. April 2019.

Er ist seit 1994 Chef des Internationalen Eishockeyverbandes (IIHF). Nächstes Jahr tritt René Fasel zurück. Im Interview spricht er über die WM 2020 in Zürich und Lausanne, warum er als Präsident aufhört – und seine Passion als Tomatenzüchter.

Von Lorenz Steinmann und Pascal Wiederkehr

Der Internationale Eishockeyverband (IIHF) hat seinen Sitz in der prächtig gelegenen Villa Freigut im Zürcher Enge-Quartier. Im Freigut kam 1895 der langjährige Zürcher Stadtpräsident «Stapi» Emil Landolt zur Welt. Nach dem Kauf der Villa im Jahr 2002 konnte Stararchitektin Tilla Theus einen sehr modernen Anbau erstellen.

Schon 25 Jahre steht der Freiburger René Fasel dem Weltverband vor. Nächstes Jahr tritt er zurück. Fasel ist auch Mitglied des Olympischen Komitees. Der ehemalige Eishockeyschiedsrichter und promovierte Zahnarzt empfängt allein und gut gelaunt im getäferten Sitzungszimmer mit herrlichem Blick auf den Uetliberg. Er wohnt mit seiner Familie in Wädenswil und ist laut eigenen Angaben innert 17 Minuten im Büro – wenn es keinen Verkehr hat. Rund 200 Tage pro Jahr ist er auf der ganzen Welt unterwegs. Gestern war der 69-Jährige noch in Japan.

René Fasel, am 10. Mai startet die WM in der Slowakei. Wird die Schweiz Weltmeister?
Lacht. Eine gute Frage. Das Schöne im Sport ist doch, dass man nie weiss, wie es rauskommt. Das Abschneiden der Schweiz ist sicher abhängig davon, ob NHL-Spieler wie Josi, Fiala, Niederreiter und Andrighetto teilnehmen können oder nicht.

Tut es Ihnen nicht weh, wenn die besten NHL-Spieler meist gar nicht teilnehmen an der WM, weil die NHL-Meisterschaft dann noch andauert?
Nein, man muss es akzeptieren, wie es ist. Bis 1976 nahmen NHL-Spieler überhaupt nicht teil an der WM. Nun sind die NHL-Spieler das Salz in der Suppe. Ich reklamiere nicht, ich sehe das Glas halb voll. 2018 war immerhin Connor McDavid dabei, Sidney Crosby spielte auch schon mit. Ein Star ist also immer dabei.

Ist die Schweiz nur darum so gut, weil viele NHL-Profis fehlen?
Seufzt. Nein, die Schweiz ist so gut, weil sie so stark ist, nicht weil die Gegner so schwach sind. Die Schweiz hat schon Tschechien und Kanada geschlagen und gegen Schweden im Final 2018 nur mit ein bisschen Pech im Penaltyschiessen verloren.

Wird die WM in der Schweiz mit den Standorten Zürich und Lausanne dem Eishockey noch mehr Schub geben?
Für die Fans ist es eine gute Möglichkeit, die Spieler live, von nahe, zu sehen.

Am Spatenstich zum ZSC-Stadion in Altstetten kündigten Sie eine weitere WM in Zürich für 2027 an. Was ist da dran?
Ja, das ist ungefähr der Turnus, es kann aber auch 2030 werden. USA und Kanada sind ja ausgeschlossen für die WM-Organisation. 2008 haben wir es probiert, es war aber wegen der Zeitverschiebung keine gute Erfahrung. Dänemark hingegen war ein Erfolg. Ob dies aber wieder so sein wird, ist offen. So bleiben gar nicht so viele Länder. Zürich ist wegen dem Flughafen, den Hotels und dem Einzugsgebiet der Fans ein Must. Die Kapazitäten für acht Teams müssen vorhanden sein. Mit der neuen ZSC-Halle werden die Voraussetzungen noch besser.

Wieso denn nicht Bern?
Die Post-Finance-Arena bietet nicht mehr ideale Infrastrukturen. Es fehlen genügend VIP-Logen, und es müssten Sitz- anstatt Stehplätze eingebaut werden. Das kostet unglaublich viel. Eigentlich ist aber auch das Hallenstadion kein ideales Stadion. Die Garderoben müssen in der Messehalle eingebaut werden.

In der Fussball-Champions-League fliessen pro Jahr 1,2 Milliarden Euro, in der Europaliga des Eishockeys sind es lediglich 5 bis 6 Millionen Euro. Wir müssen also gar nicht mehr darüber reden, die Antwort ist schon da.

René Fasel, Präsident IIHF

Wie lange geht es noch, bis China vorne mitspielt? Eishockey-Legende Jakob Kölliker macht ja im Reich der Mitte Entwicklungshilfe als Trainer.
Die Ausbildung eines Hockeyspielers dauert gut 15 Jahre, wenn er mit etwa 4 Jahren beginnt. China unternimmt momentan viel wegen den Olympischen Spielen 2022 in Peking. Ich würde sagen, dass China ab 2030 eine WM organisieren kann. Es geht also noch gut zehn Jahre. Bei den Frauen geht es aber viel schneller.

Dort ist aber die Spitze schmaler, oder?
Das würde ich nicht sagen. Frauen sind viel zielstrebiger, haben mehr Disziplin.

Wie sehe Sie die Zukunft des Fraueneishockeys?
Junioren- und Frauensport hat es fast in jeder Sportart schwierig. Handball, Fussball, Basketball. Sie werden nie an die Zuschauerzahlen der Männer herankommen. Trotzdem sind Frauen wichtig, weil sie ihre Kinder an den Eishockeysport heranbringen. Sie haben eine ganz andere Leidenschaft als Männer.

Aber an Olympia hat sich Fraueneishockey etabliert, oder?
Ja. In Amerika hat das Fraueneishockey oft mehr TV-Zuschauer als die Männer. Aber der Rest ist, wie gesagt, schwierig.

Auch die Eishockey-Champions-League ist noch keine Erfolgsstory. Macht der Vorstandsvorsitzende und ZSC-Lions-CEO Peter Zahner einen schlechten Job?
Nein, nein, überhaupt nicht. Aber in jeder Liga liegt das Hauptinteresse an der eigenen Meisterschaft. Jeder will Landesmeister sein, bevor er Europameister wird.

Im Fussball ist das aber anders.
René Fasel reibt die Fingerspitzen der rechten Hand.

Aber die Fifa war bis etwa 1985 nicht grösser als der Eishockeyverband.
Wir sind halt ein Sport der nördlichen Hemisphäre. Wir sind nicht präsent in Afrika und nicht in Südamerika. Und beim Kuchen USA und Kanada sind wir wegen der NHL nicht dabei. In den grossen Fussballmärkten Spanien, Italien, Frankreich und England sind wir sportlich nicht einmal die Nummer 2. Dort sind Rugby oder Handball beliebter.

Also das Geld. Wieso sind die Welten so unterschiedlich?
In der Fussball-Champions-League fliessen pro Jahr 1,2 Milliarden Euro, in der Europaliga des Eishockeys sind es lediglich 5 bis 6 Millionen Euro. Wir müssen also gar nicht mehr darüber reden, die Antwort ist schon da.

Suchen Sie die Zusammenarbeit mit anderen «kleinen» Sportverbänden?
Also klein sind wir nicht.

Aber in Deutschland haben Sie auch durch Handball Konkurrenz.
Wir hatten eine gute Eishockey-WM 2017 mit regelmässig 18 000 Zuschauern in Köln. Aber damit komme ich auf ein Hauptproblem zu sprechen.

Welches Problem?
Unser Sport ist zu schnell fürs Fernsehen. Meine Mutter sagte mir immer: Ich sehe den Puck nicht am TV. Fussball aber kann jeder gucken (zeigt mit den Händen den Grössenunterschied zwischen Fussball und Puck). Und dann sind noch die Stadien unterschiedlich gross. 80 000, 60 000 im Fussball. Jeder hat irgendwann mal einen Fussball berührt, ist Experte.

Sind Sie nicht manchmal froh, dass so wenig Geld fliesst? So ist doch die Korruption tiefer.
Das ist schon so. Wir haben bei der IIHF ein Budget von 35 Millionen Franken. Somit ist keine Versuchung da. Wir sind «gäbig». Wir sind eine gute Familie im Eishockey.

Bleibt der Sitz des Verbandes überhaupt in der Enge, wenn Sie ab 2020 nicht mehr Präsident sind?
Wahrscheinlich schon. Ich sehe keine Gründe dagegen. Der Kauf der Liegenschaft war eine sehr gute Investition. Wir sind für Europa sehr gut gelegen, man ist schnell hier. Die Sicherheit und Qualität ist gut in Zürich, dafür ist es relativ teuer. Aber die Vorteile in der Schweiz überwiegen. Die Schweiz ist traditionell Sitz von Sportverbänden. Das olympische Komitee ist da, die Fifa auch. Ich sehe keinen Grund, dass ein zukünftiger Präsident aus Zürich wegziehen würde.

Es ist besser, zu gehen, wenn die Leute es noch bedauern, als zu warten, bis sie sagen «uff, jetzt geht er endlich».

René Fasel, IIHF-Präsident

Ziehen Sie nun die Strippen, wer Ihr Nachfolger werden könnte?
Zuckt mit den Schultern. Der Kongress wird den Entscheid fällen. Nach 26 Jahren ist es schwierig, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Viele Leute sagen mir, mach noch weiter, aber ich habe meinen Entscheid getroffen.

Verglichen mit anderen Sportfunktionären sind Sie mit 69 Jahren noch jung.
Es ist besser, zu gehen, wenn die Leute es noch bedauern, als zu warten, bis sie sagen «uff, jetzt geht er endlich». Der arme Sepp Blatter als Beispiel, hätte er den Rücktritt bei der Fifa doch nur vier oder acht Jahre früher gegeben … Jeder kann ersetzt werden, jeder.

Bleiben Sie im Olympischen Komitee?
Nein, wenn ich nicht mehr IIHF-Präsident bin, ist das auch zu Ende.

Haben Sie also schon andere Pläne, was Sie nachher wollen?
Ich möchte eigentlich nicht im Bett sterben. Ich werde sicher aktiv
bleiben.

Dann werden Sie nicht einfach Schrebergärtner?
Lacht. Nein, aber ich bin ein grosser Tomatenfan. Ich züchte jedes Jahr etwa 100 Kilogramm Tomaten in meinem Garten. Das ist mein grosses Hobby. Strahlt und zeigt auf dem Handy Bilder. Ochsenherzen und Cherry-Tomaten habe ich am liebsten. Gelernt habe ich die Tomatenpflege von meiner Grossmutter. Manchmal kommt mir die WM terminlich in die Quere beim Pflanzen der Setzlinge. Lacht wieder.

Ihre Familie könnte ja helfen …
Bei den Tomaten lasse ich mir nicht dreinreden, das ist mein Gebiet. 

Lugano krönt seine schwache Saison mit dem Abgang des Trainers

Es ist der Schlusspunkt einer Eishockey-Saison, in der der HC Lugano durch das Unvermögen anderer Teams in die Playoffs gekommen ist. Hätte, wäre, wenn, der HC Lugano hat die Playoff-Viertelfinal-Serie gegen den EV Zug 0:4 verloren. Und obwohl sich die Mannschaft gegen die vier Niederlagen stemmte, sah es nie so aus, als hätte sie den Zugern etwas entgegenzusetzen.

Nun wurde bekannt, dass der HC Lugano den Vertrag mit dem kanadischen Trainer Greg Ireland nicht verlängert. Schon Ende letzten Jahres waren angeblich neue Trainernamen durch die Spielerkabine gegeistert. Wer auf Ireland folgen wird, ist noch offen. Gesucht wird wohl wieder ein Trainer, der die Hockeyorganisation im Süd-Tessin auf magische Weise besser macht. Der HC Lugano muss ja seinem Spitznamen «Grande Lugano» gerecht werden. Seit dem letzten Meistertitel 2006 in der National League A hat aber kein einziger Trainer Lugano wieder zu alter Grösse geführt. Daher stellt sich die Frage, ob es überhaupt irgendjemand schaffen wird, oder ob es tieferliegende Probleme gibt, die ein neuer Coach allein nicht lösen kann.

Der HC Lugano erreichte beispielsweise 2016 und 2018 den Final – verlor jedoch jeweils gegen Gegner, die am Ende spielerisch klar besser waren. Seit der Einführung der Playoffs haben die «Bianconeri» sieben Titel geholt. Lugano galt lange als Erfolgsteam, heute spielen die Tessiner nur noch finanziell oben mit. Den Titel des ewigen Meisterkandidats darf der HC Lugano nun getrost an ein anderes Team weiterreichen.

Offen ist, ob Club-Präsidentin Vicky Mantegazza schon mal darüber nachgedacht hat, dass es mehr als nur einen Trainerwechsel braucht. Die Stelle von Sportchef Roland Habisreutinger, seit 2009 im Amt, steht nach aktuellem Stand nicht zur Disposition. Vielleicht sollte man sich das beim HC Lugano aber einmal in Ruhe überlegen. Seit 2009 haben zehn verschiedene Trainer die «Bianconeri» gecoacht. Doch nur einer hat als Sportchef die Fäden gezogen.

Diese Ausstellung geht durch die Ohren

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Das erste Studio von Radio Lora an der Mainaustrasse im Zürcher Seefeld im Jahr 1986. Foto: Radio-Lora-Archiv

Zuerst veröffentlicht in «Zürich 2» vom 8. November 2018.

Seit 35 Jahren sendet Radio Lora interkulturelle Programme und Musik. Nun wird dem alternativen Lokalradio aus Zürich eine Ausstellung gewidmet.

Noch finden letzte Abbauarbeiten der vergangenen Ausstellung statt, doch bald soll in der Shedhalle, einem Ausstellungsraum der Roten Fabrik, ein nicht-kommerzielles Lokalradio aus Zürich im Mittelpunkt stehen. Radio Lora wurde vor 35 Jahren, 1983, die Sendekonzession erteilt. «Die Idee zur Ausstellung ist letztes Jahr entstanden», erklärt Judith Grosse. Sie ist Kuratorin und zeitgleich PR-Verantwortliche des Radios.

Doch warum gerade jetzt? «Das 25-Jahr-Jubiläum haben wir natürlich damals gross gefeiert, doch seither hat sich viel verändert, und ein runder Geburtstag ist ein guter Anlass für eine Bestandsaufnahme», sagt die Ausstellungsmacherin. Genau diese Veränderungen sollen nun sichtbar gemacht werden.

Keine glatte Erfolgsgeschichte
«Reclaim the Radio!» heisst die Archivausstellung. Sie will einen Bogen spannen von der Entstehung des Senders im Kontext der autonomen Jugendbewegung im Zürich der 70er und 80er Jahre bis in die digitale Ära. «Wir zeigen Dokumente, Lora-Werbematerialien und Presseartikel aus unseren Archiven, aber auch privaten Sammlungen», erklärt Grosse. Dabei werden Rückschläge nicht verheimlicht.
Es gab in der Geschichte des Radios immer wieder Konflikte, die teilweise eskaliert sind. Der «Tages-Anzeiger» berichtete unter anderem 2012, dass es hinter den Kulissen des Radios rumore. «Offenbar gibt es Grabenkämpfe um eine Neuausrichtung des Radios, die nun zum Problem werden», schrieb der «Tagi» damals.

«Auf den ersten Blick ist die Geschichte von Lora keine glatte Erfolgserzählung – immer wieder gab es Auseinandersetzungen, Rückschläge, aber auch Neuanfänge», sagt Grosse. Und genau darum sei Loras Geschichte doch ein Erfolg und eben auch sehr spannend. Heute habe sich das aber alles wieder beruhigt. «Seither haben wir unsere internen Prozesse angepasst, der Vorstand hat sich stark engagiert.»

Radio Lora wird aktuell von einer Stiftung und einem Verein getragen. Die Stiftung hat die Sendekonzession des Bundesamts für Kommunikation (Bakom) inne, der Verein betreibt das Radio mit Sitz an der Militärstrasse im Kreis 4. Um diese Doppelstruktur zu entflechten, plant Radio Lora eine grosse Veränderung: Stiftung und Verein will man im kommenden Jahr in einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft vereinen. Das ist eine Vorgabe des Bakom. Wie dem Jahresbericht zu entnehmen ist, muss bei Lora bis zur Neukonzessionierung im Jahr 2019 die Inhaberin der Sendekonzession sowie die Betreiberin des Radios ein und dieselbe Organisation sein.

Das Radio hat ausserdem ein neues Logo erhalten. Die Entwürfe stammen alle von Grafik-Lernenden an der Schule für Gestaltung Zürich. Ausgewählt haben es die Lora-Mitglieder. «In der Ausstellung zeigen wir auch eine Auswahl derjenigen Entwürfe, die es nicht geschafft haben», verspricht Grosse. Ebenfalls Teil der Ausstellung sind Hörstationen, Live-Talk-Runden und ein Audiokunst-Festival. Die beiden Letzteren werden im Programm des Radios zu hören sein – «für alle, die nicht vorbeikommen können», sagt die Kuratorin.
Ursprünglich war das Lokalradio an der Mainaustrasse in Riesbach beheimatet gewesen. Nach einem Brandanschlag zog es den alternativen Sender aber in den Kreis 4. Radio Lora ist ein Kind der Radiopiratenszene. Während der Jugendunruhen 1981 hatte eine Gruppe von Radiomachenden aus dem Autonomen Jugendzentrum gesendet. Erst am 14. November 1983 erhielt der Sender eine Konzession.

Heute ist Lora eines von 17 Radios, die in der Unikom, dem Verband der nicht-gewinnorientierten Radios, zusammengeschlossen sind. Dazu gehören beispielsweise das Winterthurer Radio Stadtfilter, der Aarauer Kanal K oder Radio 3fach in Luzern. Die eigenen Hörerzahlen misst Radio Lora nicht. Die Marktforschung sei laut Judith Grosse zu teuer und nicht auf Profil sowie Publikum nicht-kommerzieller Sender ausgerichtet. Wie Unikom auf Anfrage sagt, kann aufgrund von vergleichbaren Programmen davon ausgegangen werden, dass «Lora» täglich über 30 000 Zuhörerinnen und Zuhörer erreicht.

Ein Blick hinter die Kulissen
Finanziert wird das werbefreie Radio Lora durch Mitgliederbeiträge und Geld aus dem Billag-Gebührentopf. Würden die Gebühreneinnahmen wegfallen, wäre das ein grosses Problem. «Dann müssten wir uns wie zur Gründungszeit alleine über die Mitgliederbeiträge finanzieren», sagt Grosse. Das sei schwierig gewesen und werde in der Ausstellung ebenfalls thematisiert. Grosse: «Wir wollen das Publikum hinter die Kulissen des Radios blicken lassen, aber auch die Aussenperspektive zeigen.»

«Reclaim the Radio!»: Ausstellung zu 35 Jahren Radio Lora bis 6. Januar 2019. Shedhalle, Rote Fabrik, Seestrasse 395. www.lora.ch

Sie ist die einzige Schweizerin im Weltcup

Zuerst veröffentlicht in «Zürich 2» vom 11. Oktober 2018.

Die Wollishofer Skiakrobatin Carol Bouvard bereitet sich gerade auf die nächste Saison vor: Das Ziel ist die Weltmeisterschaft im amerikanischen Park City. «Zürich 2» hat sie beim Sommertraining besucht.

Stufe für Stufe steigt sie die hölzerne Treppe hoch. Auf den Schultern zwei Ski, ihr Anzug noch tropfend von der letzten Landung im Pool. Gegenüber von Feldern, am Rand des Dorfs Mettmenstetten im Säuliamt, steht eine grosse Wasserschanze. «Jumpin» heisst die Trainingsanlage. Dort rackerte sich Carol Bouvard im Sommer fast täglich ab. Noch ein paar Sprünge sind es an diesem Vormittag, bis die Wollishoferin Zeit hat für ein Gespräch. Immer wieder brettert sie die Schanze herunter, steigt in die Höhe, dreht sich spektakulär und landet dann mit einem lauten Platschen im Wasser.

Die 20-Jährige bereitete sich gerade für die nächste Saison vor. Sie ist Skiakrobatin – die einzige Frau auf Welt-Niveau in der Schweiz. Heute nennt sich die Disziplin zwar modern «Aerials», aber es geht immer noch darum, in der Luft in bis zu 15 Meter Höhe Saltos und Schrauben zu drehen.

Das Ziel sind Dreifachsalti

«Im Sommer trainieren wir bis zu 30 Stunden pro Woche», erzählt die Wollishoferin. Wer diesen Sport betreibt, kommt in der Schweiz nach Mettmenstetten. In dieses Dorf im Bezirk Affoltern pilgern alle aus der Freestyle-Ski-Szene. «Hier steht die grösste Wasserschanze, auf der wir den ganzen Sommer trainieren können», so Bouvard. Der Grund dafür heisst Andreas «Sonny» Schönbächler. Der Freestyle-Skispringer gewann an den Olympische Winterspielen im norwegischen Lillehammer 1994 die Goldmedaille. Er initiierte das Projekt. Es kommt sogar vor, dass Sportler aus Weissrussland – laut der Athletin eine der Top-Nationen bei den Skiakrobaten – hier trainieren.

Der Aufstieg zum Turm der Wasserschanze ist für Laien zwar schon Training genug, doch für Bouvard, die letztes Jahr die Matur abgeschlossen hat, selbstredend nur der Weg zum Ziel. Im Sommer macht sie neben Kraft- und Rumpftraining täglich etwa zehn Doppelsalti. «Mein Ziel sind Dreifachsalti», so die Skiakrobatin.

Bouvard, die Leiterin beim Turnverein Wiedikon ist, kam über das Geräteturnen zum Nischensport Skiakrobatik. «Es brauchte schon Überwindung, aber mir hat der Sport sehr gut gefallen.» Vor grösseren Verletzungen ist sie bisher ausser einer Hirnerschütterung und einem Kreuzbandriss verschont geblieben. «Unser Sport ist wahrscheinlich nicht gefährlicher als Fussballspielen», ergänzt sie schmunzelnd.

Olympia hat noch nicht geklappt

Das Schweizer A- und B-Kader besteht aus vier Männern und einer Frau. Aktuell trainiert die Sportlerin in Saas-Fee für ihre zweite Weltcup-Saison, die im Januar startet. Ihr bisher grösster Erfolg war der dritte Rang im Februar an der Junioren-WM im weissrussischen Minsk.

Für den grossen Traum – eine Teilnahme an Olympia 2018 in Pyeongchang in Südkorea – hatte es allerdings knapp nicht gereicht. «Das Niveau für die Qualifikation war hoch», sagt Bouvard. Sie hätte zwei Top-12-Resultate im Weltcup gebraucht, am Ende waren es ein 14. und ein 15. Platz. Die Selektionäre vom Verband zeigten keine Gnade. Der nächste Meilenstein ist nun die Weltmeisterschaft in Park City im amerikanischen Bundesstaat Utah. Und das Fernziel die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking.

Trotz Sponsoren, alleine vom Sport leben könne kein Skiakrobat. In dieser Randsportart sei es grundsätzlich schwierig, Sponsoren zu finden. «Im Vergleich zu anderen Disziplinen geht es uns aber gut», betont die Zürcherin. Sie würden den Mitgliederbeitrag bezahlen, für Unterkünfte, Reisen oder Trainer kommt der Verband auf.

Ganz alles ist jedoch nicht dabei. Einen Physiotherapeuten haben sich Bouvard und ihre Team-Kollegen letztes Jahr erfolgreich über eine Crowdfunding-Plattform finanziert. Eine gern gesehene Geldspritze ist deshalb das Militär: Erst im Juni schloss Bouvard den ersten Teil der Spitzensport-Rekrutenschule ab, der Zweite folgt im kommenden Frühling.

«Auf dem Karrierehöhepunkt ist man bei der Skiakrobatik erst mit etwa 30 Jahren», so die Profi-Sportlerin. Mindestens bis Olympia in Peking in vier Jahren will die Wollishoferin noch springen – was danach kommt, ist allerdings offen. Ab Sommer 2019 lockt der Vorlesungssaal an der Universität Zürich oder ETH – «irgendwas Richtung Naturwissenschaften». Sie möchte Teilzeit studieren, damit sie weiter springen könne. Jemand aus ihrem Team studiere Wirtschaft. «Das ist sicher machbar», ist die 20-Jährige überzeugt.

Doch jetzt freut sie sich erst mal auf den Start in die neue Weltcup-Saison in Lake Placid, USA, – auch wenn ihre Lieblingsanlage aus dem Europacup im finnischen Ruka nicht auf dem Weltcup-Programm steht.

11 Gründe, heute Abend der Schweiz die Daumen zu drücken

Heute Abend spielt die Schweiz gegen Rumänien. Also eigentlich müsste es ja Rumänien gegen die Schweiz lauten, aber das ist ja egal. Die mit den weissen Trikots sind die Schweizer. Die anderen tragen Gelb.

  1. Der ehemalige GC-Profi Viorel Moldovan steht als Co-Trainer der Rumänen am Spielfeld.
  2. Haris Seferović trifft dieses Mal wirklich. Vielleicht. Ach Haris…
  3. Der Match findet um 18 Uhr statt. Zumindest die Affoltemer dürften dann noch im 32er feststecken.
  4. Die Public Viewings in Zürich sind leer (nicht wegen dem Wetter), weil alle die «Scheisse» an der Manifesta 11 ansehen («The Zurich Load» – ein Kunstwerk aus 80 Tonnen Zürcher Fäkalien, ausgestellt im Löwenbräu-Areal).
  5. Der Austragungsort Parc des Princes in Paris ist auch ein Rugby-Stadion. Und die Schweiz ist kürzlich in die europäische Division 1B aufgestiegen. Wenn das kein gutes Omen ist.
  6. Bukarest gilt bei Tourismus-Werbern als Paris des Ostens.
  7. Unvergessliche Alain-Sutter-Anekdoten garantiert: An der WM 1994 in den USA gewann die Schweiz 4:1 gegen Rumänien. Trotz Zehenbruch Alain Sutters.
  8. Der Marktwert der Schweizer ist drei Mal höher als derjenige der Rumänen. Ein 3:1 liegt drin.
  9. Kabarettist Ralf Schlatter und Stimmen-Imitator Michael Wernli kommentieren die Schweizer Vorrundenspiele: Coming Soon, Rolandstrasse 9, 8004 Zürich. www.comingsoon.ch (hinter dem Sex-Kino).
  10. Rumänien ist das Partnerland des Schweizer Erweiterungsbeitrags. Die Schweiz hat wohlwissend schon 181 Millionen Franken überwiesen. Das spricht für einen Schweizer Sieg.
  11. Wenn die Rumänen ihre Torchancen um 100 Prozent erhöhen wollen, müssen sie einfach auf Johan Djourou spielen.

Ursprünglich erschienen auf Lokalinfo.ch. (pw./aj./ls.)

Heute top, morgen flop?

Die Eishockey-Playoffs der Schweizer «National League A» stehen vor der Tür (Hier stellt sich dann die Frage, wie ein Spielmodus vor einer Tür stehen kann…). Der HC Lugano trifft als Dritter der Liga auf den Sechsten Genève-Servette HC. Die Chancen stehen so gut wie lange nicht mehr, dass die Bianconeri in die nächste Runde (Halbfinals) einziehen können. Es wäre auch wieder einmal an der Zeit. Seit dem letzten Meistertitel sind neun Jahre vergangen, in dieser Zeit hat man nie die Viertelfinals überstanden.

Die Gefahr folgt aber auf dem Fusse (sie schleicht sich sozusagen von hinten an…). Lugano ist in der Offensive mit den Skandinaviern Ilari Filppula (Finnland), Linus Klasen und Frederik Petterson (beide Schweden) sehr stark besetzt. Hinzukommt der polyvalent einsetzbare und NHL-erprobte Damien Brunner. Wenn diese Spieler aber nichts kreieren, dann sinkt die Torgefährlichkeit rapide. Die sehr körperbetont spielenden Genfer werden deshalb versuchen, die Offensivvirtuosen auszubremsen. Findet Lugano dagegen kein Rezept, oder übernehmen dann andere Spieler das Tore schiessen nicht, könnten auch dieses Jahr die Viertelfinals Endstation sein.

Morgen gilt es das erste Mal ernst für die Tessiner. Dann müssen die Sonnenbänkler der Schweiz beweisen, dass der dritte Platz in dieser Saison kein Zufall war und sie wirklich hungrig auf den Titel des Schweizermeisters sind.

Die Paarungen der Playoffs 2014/2015:

  • ZSC Lions – EHC Biel
  • SC Bern – Lausanne HC
  • HC Lugano – Genève-Servette HC
  • EV Zug – HC Davos

Habe fertig mit 2014

2014 ist bald zu Ende: YOLO und so weiter. Ich bedanke mich bei allen regelmässigen Besuchern meines Blogs, wünsche einen guten Rutsch, ein tolles neues Jahr und hoffentlich viel Spass im Jahr 2015.

Aber auf was sollen wir uns denn im nächsten Jahr freuen?

WordPress.com hat für 2014 einen statistischen Jahresrückblick zusammengestellt. Ich wünsche euch viel Spass damit!

Eine Cable Car in San Francisco fasst 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 1.900 mal besucht. Eine Cable Car würde etwa 32 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Bald geht es wieder los

Alle, die sich nach der Fussball-Weltmeisterschaft auf einen «echten Männer-Sport» freuen, müssen nicht mehr lange warten: Die Eishockey-Saisonvorbereitung beginnt schon im August! Die wichtigsten Termine habe ich in der Box zusammengetragen. Der offizielle Saisonstart für den HC Lugano ist dann der 12. September, mit dem Spiel der Bianconeri gegen die Rapperswil-Jona Lakers.

  • 3. August 2014, Resega, 10.40 Uhr: Erstes Eistraining
  • 16. August 2014, Resega, 17.30 Uhr: HC Lugano – Slovan Bratislava (Slowakei), danach Fest mit Fans in der Reseghina,
  • 19. August 2014, Resega, 19.45 Uhr: HC Lugano – Orebrö HK (Schweden)
  • 22. August 2014, Resega, 19.45 Uhr: HC Lugano – EHC Red Bull München (Deutschland)
  • 28. August 2014, Jönköping (Schweden), 19.00 Uhr: HC Lugano – HV 71 Jönköping (Schweden)
  • 29. August 2014, Götebörg (Schweden), 19.00 Uhr: HC Lugano – Välerenga IF Oslo (Norwegen)
  • 31. August 2014, Götebörg (Schweden), 16.00 Uhr: HC Lugano – Frölunda Indians Götebörg (Schweden)
  • 5. September 2014, Kunsteisbahn Zingel, Seewen, 19.45 Uhr: HC Lugano – Rapperswil-Jona Lakers

… und dann kam ein Blogpost

Der Januar ist bald vorbei und ich habe bisher im Jahr 2014 erst einen Beitrag verfasst. Hatte Semesterprüfungen (alles tiptop), absolviere gerade meinen Grundkurs als Betreuer im Zivilschutz (spannender als gedacht) und nahm mir einfach keine Zeit für meinen Blog (Windstille). Doch jetzt wird alles besser, jetzt sitze ich vor meiner Tastatur und denk-schreibe diesen Post.

Dem HC Lugano geht es gut, aktuell auf Platz 3 der National League A und nur noch fünf Spiele bis zu den Playoffs. Die Mannschaft überzeugt und macht Freude. Viel wichtiger sind aber momentan die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Natürlich hoffe ich auf viele Medaillen für die Schweiz, vor allem aber auch auf eine Medaille im Eishockey (auch wenn dies schwierig werden dürfte).

Bücher lese ich auch regelmässig, in der letzten Zeit war aber kein besonders bemerkenswertes darunter. Meine Buchtipps sollen ja auch wirkliche Tipps bleiben und keine einfache “What I’m Reading”-Liste werden. Der nächste Buchtipp kommt bestimmt. In diesem Sinne, auf Wiederlesen bei pascalwiederkehr.com.

Die Bianconeri sind zurück!

Nach einem katastrophalen Saisonstart, hat der HC Lugano nun die Lust zum Kampf wiedergewonnen. Nach dem die ersten zwei Derbys gegen den Kantonsrivalen HC Ambri-Piotta noch verloren gingen, haben die Bianconeri heute zum zweiten Mal diese Woche gegen die Biancoblu gewonnen. Weil die Mannen aus Lugano auch noch gegen den EV Zug gewannen, konnten sie sich ein wenig vom Strich absetzen. Jetzt ist es wichtig, dass diese guten Leistungen auch in der Zukunft anhalten. Wenn es so weitergeht, dann können wir uns auf spannende Playoffs freuen, weil einerseits der Trainer Patrick Fischer den Mut hat, auch heikle Entscheidungen zu treffen und andererseits die Leistungsträger endlich Vollgas geben.