Wie viel Privatsphäre braucht es in der digitalen Zukunft?

Zuerst veröffentlicht in «Zürich 2» vom 31. Januar 2019.

Der Datenschutzbeauftragte des Kantons lud zu einer Podiumsdiskussion mit Experten ein. Konsens herrschte darüber, dass Datenschutz wichtig ist. Doch viele Fragen bleiben unbeantwortet.

Persönliche Freiheit und Privatsphäre sind Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft. Doch im Internet kommt sie schrittweise abhanden, wir werden überwacht und manipuliert. Warum das so ist und ob man sich dagegen wehren kann, war Thema in der Reihe Kosmopolitics im Kulturhaus Kosmos am Rande der Europaallee in Zürich. Nur wenige Meter weiter forscht auch Google an der Zukunft.

Anlässlich des 13. Europäischen Datenschutztages trafen sich Bruno Baeriswyl, Datenschutzbeauftragter des Kantons Zürich, Hernâni Marques vom Chaos Computer Club Schweiz, Psychologin Josephine Schmitt und Medienpädagogin Friederike Tilemann. Moderiert wurde das Gespräch von Edgar Schuler, Ressortleiter Analyse beim «Tages-Anzeiger».

Unter den Teilnehmenden, herrschte der Konsens, dass Datenschutz und Privatsphäre im Internet ein wichtiges Gut sind. Ihre Anliegen widersprachen sich nicht, ein gemeinsamer Lösungsansatz war aus der Diskussion aber kaum zu erkennen. Es war, als würde jeder vom eigenen Berg herabpredigen.

Diskutierten gemeinsam im Kosmos über Datenschutz in der digitalen Welt: Der kantonale Datenschutzbeauftragte Bruno Baeriswyl, Psychologin Josephine B. Schmitt. Foto: pw.

Selbstbestimmung ist wichtig
Der kantonale Datenschutzbeauftragte Bruno Baeriswyl sprach hauptsächlich aus der Perspektive des Nutzers: «Wir akzeptieren eigentlich, dass die grossen Player, wie Facebook oder Google, unsere Selbstbestimmung, unsere Privatsphäre verletzen und uns manipulieren.» Wer eine Dienstleistung im Internet nutzen möchte, müsse die Geschäftsbedingungen akzeptieren, ohne das er eine Wahl habe. «In den 1990er Jahre war das Internet das Netz der Freiheit. Heute muss man sagen, es ist das Netz der verlorenen Freiheit.»

Hernâni Marques vom «Chaos Computer Club», einer Hackervereinigung, die sich für Privatsphäre und Informationsfreiheit einsetzt, sah das Problem grundsätzlicher Natur: Er wehrte sich gegen ständige Überwachung. «Das Internet ist eine Fehlkonstruktion in der jetzigen Form.» Er plädierte für Peer-to-Peer-Netzwerke, bei denen die Computer untereinander verbunden sind, ohne zentrale Server. Die Kommunikation läuft direkt von einem Computer zum anderen. Bekanntes Beispiel ist das «Darknet», welches wegen krimineller Aktivitäten in Verruf geraten ist. Es wird aber auch dazu genutzt, damit sich Nutzer vor Zensur- und Überwachungsmassnahmen schützen können.

Medienpädagogin Friederike Tilemann und Hernâni Marques vom Chaos Computer Club Schweiz. Foto: pw.

Einen pädagogischen Ansatz wählte Friederike Tilemann, Medienpädagogin an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Kinder bräuchten Schutz vor den Gefahren, aber auch Kompetenzen im Umgang mit dem Netz. Sie müssten lernen, ihre Privatsphäre zu schützen – und die Privatsphäre der anderen. Dazu hat die Hochschule zusammen mit dem Datenschutzbeauftragten ein Lehrmittel für Vier- bis Neunjährige veröffentlicht.

«Es ist nicht das Internet, was böse ist», sagte Psychologin Josephine Schmitt, die über Radikalisierung und extremistische Online-Propaganda forscht. «Es kann einfach wahnsinnig leicht für böse Zwecke missbraucht werden.» Schmitt blieb sonst im Gespräch etwas aussen vor. Die Teilnehmer kratzten bei den Inhalten des Internets nur an der Oberfläche.


Neues Lehrmittel zum Thema Datenschutz für Kinder
Medienkompetenz bedeutet mehr, als zu wissen, wie man ein Tablet bedient oder in den sozialen Medien Sicherheitseinstellungen anpasst. Aus diesem Grund sollen an Zürcher Schulen neue Unterrichtsmaterialien zum Einsatz kommen, die sich dem Thema Datenschutz und Privatsphäre annehmen. Diese wurden am Montag an einer Medienkonferenz vorgestellt.  
Entstanden ist das Lehrmittel «Geheimnisse sind erlaubt» in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH) und dem Datenschutzbeauftragten des Kantons Zürich. Die Unterrichtsmaterialien richten sich an vier- bis neunjährige Kinder. Die Selbstbestimmung über die eigenen Daten sei ein Grundwert einer freien Gesellschaft, findet Bruno Baeriswyl, kantonaler Datenschutzbeauftragter. Die sozialen Medien würden zu einem Verlust von Transparenz führen. «Man weiss nicht mehr, was mit den eigenen Daten geschieht. Man verliert auch die Selbstbestimmung», sagte Baeriswyl. Je früher Kinder also wissen würden, wie sie ihre Privatsphäre im digitalen Zeitalter schützen können, desto besser.
 
Trickfilm führt ans Thema heran
Das neue Lehrmittel ist laut Heinz Rhyn, Rektor der PHZH, zumindest im europäischen Raum bisher einmalig. Rhyn nannte es ein «besonders gelungenes und wichtiges Instrument». Kinder lernen, weshalb es wichtig ist, gewisse Dinge für sich zu behalten und die Privatsphäre anderer zu respektieren. Sie erfahren, dass Regeln, die für die analoge Welt gelten, auch in der digitalen Welt angewandt werden können. «Es geht nicht um Fragen von Passwörtern oder Big Data, sondern um die Sensibilisierung für Privatsphäre», erklärte Medienpädagogin Friederike Tilemann.  
Ein Trickfilm soll für die jüngsten Kinder einen Zugang zum Thema schaffen. Kinder ab sieben Jahren werden über ein Wimmelbild angesprochen, das einen Pausenhof zeigt. Es sind Szenen zu sehen, hinter denen sich Geheimnisse verstecken. Zu jeder Szene gibt es einen Text und eine Audiodatei, die an die Themen Datenschutz und Privatsphäre heranführen. Die Schülerinnen und Schüler lernen, dass Geheimnisse in der Regel zu wahren sind, es aber Geheimnisse gibt, bei denen sie auch Erwachsene ins Vertrauen ziehen sollten. In weiteren Lektionen kommt der Umgang mit fremden Daten wie Fotos zur Sprache.
Die Unterrichtsmaterialien erscheinen im April als E-Book kostenlos zum Download. Ab Herbst fliessen sie in die Lehrerausbildung an der PHZH ein. In den nächsten zwei Jahren sollen unter dem Titel «Selbstbestimmt digital unterwegs» weitere Lehrmittel erscheinen. (pw.)

Selbst die Stadtpolizei gab Verhaltenstipps

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Dank der Handykamera sieht man die Realität: Hier ein Arena-Kampf zwischen einem Aquana (blau) und einem Pixi (rosa). Mittels Tippen auf den Bildschirm löst man die Attacken aus. Foto: Pascal Wiederkehr

Zuerst veröffentlicht in «Zürich West» vom 15. September 2016.

Es war der Sommer-Hit: Pokémon Go. Unzählige Fans begaben sich auf die Jagd durch die Stadt. Doch nun ist der Hype in Zürich vorbei. Eine Einschätzung.

Was einige Spiele-Experten schon am Anfang prophezeiten, ist wahr geworden: Der ganz grosse Pokémon-Hype ist vorbei. So berichtete der amerikanische Finanzdatenspezialist Bloomberg Ende August, dass das Handy-Spiel Pokémon Go etwa 15 Millionen, also ein Drittel, der täglich aktiven Nutzer verloren habe. Das deutsche Branchenmagazin «Meedia» schrieb dazu: «Das Internet-Phänomen des Sommers kühlt ab.» Bloomberg schätzt, dass dem Spiel rund 30 Millionen Nutzer geblieben sind. Wie an der Apple-Präsentation letzter Woche bekannt wurde, sei Pokémon Go seit der Veröffentlichung vor rund zwei Monaten über 500 Millionen Mal heruntergeladen worden. Angaben über die Anzahl aktiver Nutzer blieb John Hanke, CEO der Entwicklerfirma Niantic Labs, jedoch schuldig. Die Spieler hätten 4,6 Milliarden Kilometer mit eingeschalteter App zurückgelegt.

Übermässige Berichterstattung
Unter den 15 Millionen Spielern, die aus Pokémon Go ausgestiegen sind, scheinen einige Zürcher zu sein. Die zahlreichen Gruppen, die beim Treffpunkt am Hauptbahnhof Pokémons gejagt haben, sind deutlich geschrumpft. Trotzdem ist das Smartphone-Spiel weiterhin im Strassenbild der Limmatstadt präsent. «Die übermässige allgegenwärtige Berichterstattung hat auch viele Leute dazu gebracht, das Spiel zu spielen, obwohl sie sich nicht wirklich dafür interessieren», erklärt Matthias Sala, Präsident der Swiss Game Developers Association (SGDA), also des Schweizer Game-Entwickler-Verbands. Diese würden nun abspringen. «Das ist ganz normal.» Sala rechnet vorläufig nicht mit einem grossen Einbruch. «Die Spielerzahl wird sich auf einem hohen Niveau einpendeln», so Sala. Das heisst, einige Spieler dürften sich zwar wieder vermehrt auf Facebook oder Instagram tummeln, andere aber trotzdem der Pokémon-Jagd treu bleiben.

Mobile Spiele sind ja kein neues Phänomen, wegen Pokémon Go haben sich die Spieler aber erstmals an sehr zentralen Orten in der Stadt zusammengerottet. Grund dafür: die Pokéstops. Diese sind überall auf der Karte im Spiel verteilt und repräsentieren in vielen Fällen Sehenswürdigkeiten oder was man für eine solche hält. Ob Paradeplatz, Bellevue oder die Haupthalle des Hauptbahnhofs, überall fand man Pokéstops. Werden diese mit einem Lockmittel ausgestattet, wovon alle Spieler in einem gewissen Radius profitieren, locken sie mehr Pokémons an. Besonders lukrativ, wenn gleich mehrere Pokéstops im näheren Umkreis zu finden sind. Wer draussen vor der Atrio Pizzeria & Bar im Hauptbahnhof sass, hatte bequem Zugriff auf die Pokéstops und konnte nebenbei konsumieren. Dies führte dazu, dass teilweise fast jeder Tisch von Pokémon-Jägern besetzt war. Sicherlich auch zur Freude der Restaurantbetreiber.

Die Mehrheit der Sammler jeden Alters stand jedoch gewöhnlich zwischen der grossen Uhr und dem Gruppentreffpunkt – tagsüber gegen 200 Spieler, und auch nach Mitternacht waren es noch etwa zwei Dutzend. Immer wieder hörte man entweder Jubelschreie, wenn jemand ein besonders starkes oder seltenes Exemplar gefangen hatte, oder lautstarke Fachsimpeleien unter den Pokémon-Fans. Die Profis brachten zudem gleich ihre eigenen Camping-Stühle mit. Ausgerüstet mit Verlängerungskabeln und Mehrfachsteckdosen, um die Ladegeräte anstecken zu können, oder mit externen Akkus, sorgten sie dafür, dass der Saft nicht ausging. Eine Katastrophe, wenn man ein heiss ersehntes Pokémon verpasst, weil das Smartphone gerade den Geist aufgibt. Doch die Jäger und Sammler sassen keineswegs nur am Hauptbahnhof herum. Trotz Abklingen des Hypes: Wer «der Allerbeste» sein möchte, wie es die berühmte Titelmusik der Pokémon-TV-Serie propagiert, muss sich auf die Strasse wagen, um alle fangen zu können. So wie an der Ecke Marktplatz und Franklinstrasse in Oerlikon, wo auf jeder Strassenseite Menschen an die Wände gelehnt standen und auf ihre Handys tippten. Kein Wunder also, fanden aussenstehende Personen dieses Verhalten suspekt.

Verhaltenstipps der Polizei
In der kleinen Gemeinde Birr wurde sogar die Kantonspolizei Aargau aufgeboten, weil es eine «verdächtigte Menschenansammlung» gegeben habe. Und die Stadtpolizei Zürich liess es sich nicht nehmen, in einem Video augenzwinkernd Tipps zum richtigen Umgang mit dem Spiel zu geben. «Aufpassen, die Augen nicht nur auf dem Handy, sondern auch auf der Strasse», erklärte Social-Media-Polizist Patrick Jean. Im Ausland haben Spieler gar lange vermisste Leichen gefunden. So soll ein 49-Jähriger in einem Abwasserkanal auf der Insel Fünen in Dänemark statt auf ein Pokémon auf einen Toten gestossen sein. Ebenso erging es einer 19-Jährigen aus Riverton im US-Bundesstaat Wyoming. Vielleicht hat die Aufklärung der Stadtpolizei Früchte getragen, denn zu bekannten Zwischenfällen war es während der vergangenen Wochen nicht gekommen.

Dann, wenn es im Spiel mehr Pokémons als die verfügbaren 151 gibt, werden wohl einige Spieler zurückkehren. Mit 721 Monstern im Pokémon-Universum gibt es viel zu tun. «Wenn sich das Spiel entsprechend weiterentwickelt, werden die Spielerzahlen auch stabil bleiben», sagt SGDA-Präsident Sala. Pokémon Go habe dazu beigetragen, in der Schweiz das Bewusstsein zu steigern, «dass Games ein ausdrucksstarkes Medium, technologisch innovativ und als globaler Wirtschaftsfaktor relevant sind».

“Dein Blog sieht scheisse aus!”

Erst einmal danke für den Hinweis. Es scheint als würde mein Blog im Internet Explorer 8 nicht korrekt dargestellt. Es könnte daran liegen, dass der IE 8 Probleme mit HTML 5 hat. Ich kann leider nichts ändern, und empfehle den Geplagten deshalb ein Update auf die höhere Version. Diese sollte aktuell der Internet Explorer 10 für Nutzer von Windows 7 und Windows 8 sein. Nutzer von Windows Vista sollten den Internet Explorer 9 nehmen. Die Nutzer von Windows XP – sofern es diese noch geben sollte – müssen auf einen anderen Browser umsteigen.

Ich persönlich benutze den Google Chrome.

Screenshot pascalwiederkehr.com
So könnte mein Blog auch bei dir aussehen. Screenshot mit Google Chrome, Version 26.0.1410.65, auf einem Mac mit OS X Mountain Lion.

Hilft die Google Brille bei der Hexenjagd?

Wer sie bereits hat, kann sich glücklich schätzen und sich zu den “Super”-Nerds zählen. Alle anderen müssen mindestens bis Ende 2013 auf “Google Glass” warten.

Google Glass ist ein Miniaturcomputer, welcher wie eine Brille am Kopf getragen wird, und vor einem Auge Informationen auf einem Display anzeigen kann. Während sich die Datenschützer bereits jetzt die Haare ausreissen, jubeln IT-Experten über diesen technischen Meilenstein.

Es liegt auf der Hand, dass eine solche Technologie missbraucht werden könnte. Vielleicht wartet auch ein Teil der Bevölkerung von Papua-Neuguinea auf diese neue Technologie. Offiziell wird “Witch-hunt”, also Hexenjagd, nicht als Funktion der Google Brille angeboten, jedoch könnten findige Hexenjäger dieses Manko noch ausmerzen.

Mit dem Sprachkommando: “ok, glass, hunt the witch”, soll das Feature “Witch-hunt” ausgelöst werden. Die Brille könnte dann ein Foto der betreffenden Hexe machen, direkt an alle anderen Hexenjäger weiterleiten und ihnen einen Termin im elektronischen Kalender eintragen. Gleichzeitig wird nun im Blickfeld die kürzeste Route zum nächsten Scheiterhaufen oder Richtplatz angezeigt.

Ob und wie Google gegen den Missbrauch der Google Brille vorgehen will, ist bis dato nicht bekannt. Das “The 5-Point Café” in Seattle verbietet Google Glass schon einmal pro­phy­lak­tisch.