Wie ich versuche meine Branche zu retten – Schritt 1

Seit kurzem bin ich Abonnent des «National Geographics». Also richtig, mit Rechnung (eigentlich Kreditkarte) und so. Doch weshalb schreibe ich das? Aus einem einfachen Grund: Ob «Tages-Anzeiger», «Neue Zürcher Zeitung», «Die Welt», «The New York Times» oder «The Washington Post», kaum hat der Monat angefangen, ist es immer dasselbe – ich stehe vor der Paywall. «You have reached your article limit» muss ich dann bei der «NY Times» ziemlich klein lesen. Deutlich grösser dafür: «Discover the truth with us». Diese sogenannte Metered Paywall erlaubt es, eine gewisse Anzahl Artikel kostenlos zu lesen, bevor man bezahlen muss. Im Gegensatz dazu stellte beispielsweise «Die Welt» letztes Jahr auf ein Modell mit kostenlosen Artikeln sowie Bezahlinhalten um – es nennt sich «WeltPlus». Bei «Spiegel Online» kennt man dieses Modell auch und nennt es treffenderweise «Spiegel Plus». Und jetzt ratet mal, wie es bei «Bild» heisst. Ja, richtig geraten. «BILDplus».

Deutlich kreativer ist da die «TAZ». Sie nennt das ganze «Pay-Wahl», weil man wählen kann, ob man zahlen will. Gekonnt schwingt die «TAZ» deshalb die Moralkeule. «Erst wenn der letzte Text kostenpflichtig, die letzte Neuigkeit ausgedacht, der letzte Beitrag gesponsert ist, werdet ihr feststellen, dass man Katzenvideos nicht lesen kann!» und darunter ein Button-mit-Herz und der Aufschrift «Ja, ich will.» Und ich klicke mit etwas schlechtem Gewissen auf «Gerade nicht/continue reading».

Noch besser hat es das Magazin «Republik» gemacht, sich mit einem Crowdfunding 13’845 Abonnenten an Bord geholt sowie 3’450’183 Franken gesammelt. Nota bene, ohne bisher einen einzigen Artikel veröffentlicht zu haben. Das Magazin wird erst im Januar 2018 starten.

Der Wikinger, der mich anlächelte
Es fällt mir ehrlich gesagt einfach schwer, für etwas zu bezahlen, was ich mit wenigen Mausklicks auch anderswo kostenlos erhalte. Aber nun stehe ich doch kurz davor, bei gewissen Zeitungen zumindest ein Digital-Abo zu lösen. Zum einen, weil es neuerdings deutlich flexiblere Abo-Varianten gibt, zum anderen, weil es doch seltsam ist, wenn man beim Untergang seiner eigenen Branche mithilft.

Aber wieso dann gerade «National Geographic»? Nun, als ich kürzlich in King City, Kalifornien, an der Kasse im RiteAid stand, lächelte mich der Wikinger auf dem Cover geradezu verlockend an. Fünf Wochen später zehre ich noch immer von der Ausgabe.  Ich lese – wie viele in meinem Umfeld – dort wo es gerade am interessantesten ist. Während man also früher eine regionale und im besten Fall auch noch eine nationale Zeitung abonniert hatte, konsumiert heute kaum mehr einer nur ein einzelnes Medium. Da hilft es auch nicht, wenn man zur Generation Y gehört. «Wir wollen lieber nicht – oder doch?» wurde einmal ein Artikel zu dieser Generation in der «FAZ» betitelt. Genau diese Generation sollte Blendle nutzen.

Für kleines Geld können dort am Computer, oder über iOS und Android einzelne Artikel aus über 100 verschiedenen Titeln abgerufen werden. Mehrheitlich stehen im Online-Kiosk deutschsprachige sowie niederländische Zeitungen und Zeitschriften zur Auswahl, aber auch internationale wie das «Time Magazine», «The New York Times», «The Washington Post», «Los Angeles Times» oder «The New Yorker». Die Verlage legen die Preise selbst fest, in der Regel liegen sie so zwischen 15 Cent bis zu 1.99 Euro. Wer pro Ausgabe für Artikel mehr ausgibt, als die gesamte Ausgabe kosten würde, dem berechnet Blendle nur den Preis für die einzelne Ausgabe. Wem ein Artikel nicht gefällt, kann sich sein Geld sogar noch bis zu 24 Stunden nach dem Kauf rückerstatten lassen. Einziger Wermutstropfen: aus der Schweiz scheinen nur die «Neue Zürcher Zeitung», die «NZZ am Sonntag» und das «NZZ Folio» sowie das Magazin «Reportagen» dabei zu sein. Don’t quote me.

Auch «National Geographic» ist (noch) nicht im Angebot. Muss es auch nicht, ich hab ja jetzt ein Print- und Digital-Abo.


Themenbezogene Interessen (-bindung) des Autors

Der Journalist Pascal Wiederkehr nutzt Blendle, aber bisher unregelmässig. Er hat kein Geld erhalten, um Blendle zu bewerben.

Das Landesmuseum nimmt Anpassungen vor

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Diese Rampe ist nur für Eltern mit Kinderwagen und zur Anlieferung beim Museumsshop gedacht. Für Menschen im Rollstuhl und Gehbehinderte ist sie zu steil. Foto: Pascal Wiederkehr

Zuerst veröffentlicht in «Züriberg» vom 13. Oktober 2016.

Beim Eingang des neuen Erweiterungsbaus fehlen die Rampen für Rollstühle. Der Denkmalschutz wurde von der Stadt höher gewichtet. Das Landesmuseum prüft jetzt bauliche Massnahmen.

Die Rampen beim neuen Eingang des Landesmuseums-Erweiterungsbaus sind für Menschen im Rollstuhl zu steil. Das Behindertengleichstellungsgesetz verlangt bei öffentlichen Bauten und Anlagen, dass Menschen mit einer Behinderung der Zugang ohne bauliche Hindernisse ermöglicht wird. Behinderte im Rollstuhl gelangen entweder über eine Hebebühne oder über einen Nebeneingang in das Museum, der sich allerdings etwas versteckt beim Restaurant befindet.

Gegenüber der «NZZ» hatte der Umwelt- und Gesundheitsschutz (UGZ) der Stadt Zürich argumentiert, man habe eine Abwägung zwischen den Anforderungen des Denkmalschutzes und der Behinderten-Gesetzgebung gemacht. Bärbel Zierl, Mediensprecherin beim UGZ, ordnete die Aussage auf Anfrage für den «Züriberg» ein: Die Vertreterin des UGZ habe darauf hingewiesen, dass bei bestehenden Bauten gemäss Behindertengesetzgebung abgewogen werde, welche Massnahmen verhältnismässig seien und auf welche man allenfalls verzichten könne oder müsse. «Der hindernisfreie Zugang konnte über den Nebeneingang direkt beim Haupteingang gewährleistet werden und ermöglicht einen witterungsgeschützten Zugang via Aufzug», sagt Zierl. Die nach Fertigstellung vorhandenen Mängel in der Beschilderung und dem Gebäudeleitsystem seien gerügt worden und Gegenstand der Mängelbehebung.

Im ersten Bauentscheid 2008 lehnte der UGZ eine Erschliessung mittels Hebebühne jedoch noch ab und verlangte eine reine Rampenlösung. «In einer Wiedererwägung legten die Architekten 2009 nochmals diverse bauliche Inhalte zur Stellungnahme vor, unter anderem eine Rampenlösung beim Hauptzugang des Museums», so Zierl. Der Denkmalschutz habe sich jedoch dagegen ausgesprochen. Es habe deswegen eine Begehung aller Beteiligten, inklusive Behindertenkonferenz, UGZ, kantonaler Denkmalpflege und Architekten, vor Ort stattgefunden. «Dabei wurden die Ansprüche aller diskutiert und analysiert», erklärt Zierl. Der Entscheid, den Denkmalschutz und die Architektur stärker zu gewichten, sei nicht vom UGZ, sondern von allen Beteiligten gemeinsam bei der Begehung vor Ort gefällt worden. «Aus denkmalpflegerischen und architektonischen Gründen entschied man sich schliesslich für die Hebebühne als behindertengerechten Zugang», so Zierl.

«Denkmalschutz vorgeschoben»
Da die Fassade des Landesmuseums an dieser Stelle vorher aber geschlossen war, stellt der Eingang mit der Treppe für SP-Gemeinderat Joe Manser ein neues Gestaltungselement dar: «Der Denkmalschutz wird vorgeschoben, weil man gestalterisch keine Variante gefunden hat.» Für Menschen im Rollstuhl und auch für Gehbehinderte seien die Rampen nicht benutzbar, sagt Architekt Manser, der selbst im Rollstuhl sitzt.
Im Idealfall haben Rollstuhlrampen eine maximale Steigung von sechs Prozent. «In der ursprünglichen Baubewilligung war dies auch vorgesehen», so der Geschäftsführer der Schweizerischen Fachstelle für behindertengerechtes Bauen. «Danach hat man wohl aus Gestaltungsgründen darauf verzichtet», glaubt Manser. Er fügt jedoch an, bei beengten Verhältnissen käme eine etwas steilere Rampe infrage. «In solchen Fällen wäre auch eine Steigung von sieben oder acht Prozent besser als nichts.»

Bei repräsentativen Gebäuden wolle man die Bedeutung architektonisch unterstreichen und baue ausladende Treppen, sagt Manser. So auch im Inneren des Landesmuseums. «Sobald man mit dem Rollstuhl im Museum ist, steht man vor einer langen Treppe zu den Ausstellungsräumen.» Es bleibe einem nichts anderes übrig, als einen Aufzug zu suchen. Manser: «Auch für ältere Menschen mit dem Rollator ist das ungünstig.»

Optimierungen notwendig 
Dass die aktuelle Situation nicht optimal ist, weiss auch das Landesmuseum: «Es gab einige wenige Reklamationen. Diese nehmen wir sehr ernst», erklärt Andrej Abplanalp, Leiter Kommunikation des Landesmuseums Zürich. Die Kritikpunkte lasse man in die Optimierungsmassnahmen einfliessen. «Schnell und einfach umsetzbare Massnahmen, wie beispielsweise die Beschriftungen, werden in der nächsten Zeit realisiert», so Abplanalp. Bauliche Massnahmen würden zusammen mit der Bauherrschaft, den Architekten sowie den Interessen- und Nutzervertretern diskutiert und wo möglich umgesetzt. Seit der Eröffnung prüfe und optimiere das Landesmuseum laufend Abläufe und Wege. «Unser Ziel ist es, allen Personen einen befriedigenden Zugang zu unserem Haus zu gewährleisten.» In diesen Prozess hat das Landesmuseum Pro Infirmis als beratenden und begleitenden Partner eingeladen. Abplanalp gibt jedoch zu bedenken, dass die Rampen beim Haupteingang nicht für Rollstühle vorgesehen sind und auch nie als solche konzipiert wurden. «Menschen im Rollstuhl benützen den Hublift beim Haupteingang oder den Personenlift beim Bistro-Eingang», sagt Abplanalp. Die Situation mit den Hebebühnen entspreche der Planung, die zusammen mit den Interessenvertretern, darunter auch der Behindertenkonferenz des Kantons Zürich, beschlossen worden sei.

Dies bestätigt Bärbel Zierl vom UGZ: «Die beiden steilen Rampen rechts und links neben der Treppenanlage hatten nie den Zweck, das Museum hindernisfrei zu erschliessen.» Sie seien als solche nicht beurteilt worden und würden der Anlieferung des Museumsshops oder dem Zugang mit Kinderwagen dienen.
Susanne Stahel, Mediensprecherin von Pro Infirmis gibt sich zurückhaltend und verweist auf Anfrage auf den Artikel in der «NZZ». Die Berichterstattung sei nach wie vor aktuell. «Sie können ihr alle Informationen entnehmen», so Stahel. Gesetzlich verlangt ist ein «gleichwertiger Zugang» für Behinderte, so Rita Roos, Direktorin von Pro Infirmis, in der «NZZ». Sie sehe in diesem Fall «massive Barrieren».

Medienqualität: Man feiert sich halt doch gerne selbst

«Qualität im Journalismus definieren zu wollen, gleicht dem Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln» (Russ-Mohl, 1992, p. 85). Die Aussage von Russ-Mohl (1992) ist Sinnbild für die Problematik des Qualitätsdiskurses und wird deshalb häufig in der entsprechenden Literatur zitiert (see Engesser, 2013, pp. 42-43; Meier, 2013, p. 234; Rau, 2007, p. 92; Wyss, 2002, p. 95). Die Diskussion darüber geht deshalb auch schon sehr weit zurück. «Dass es schon in der frühen zeitungskundlichen Literatur um Qualitätsfragen ging, das hatte mit einer in der abendländischen Tradition stark normativ geprägten Grundhaltung zu tun» (Wilke, 2003, p. 35). Nun wurde vor zwei Tagen ein Medienqualitätsrating herausgegeben. Aus Sicht der Initianten soll die Bestenliste dazu beitragen, die Medienqualität in der Schweiz zu fördern und das Qualitätsbewusstsein bei den Medien selbst sowie bei den Mediennutzern zu stärken. So weit so gut. Ob der Stifterverein Medienqualität Schweiz sein hehres Ziel jemals erreichen wird, bleibt abzuwarten. Ein Blick in die Resultate zeigt jedoch, dass sich vor allem die alte Garde auf die Schultern klopfen darf.

Die Holzmedien liegen vorne
In der Vergleichsgruppe «Tages- und Onlinezeitungen» schwingen die «NZZ» und die Online-Ausgabe «nzz.ch» obenaus. Qualitativ nur knapp mithalten kann hingegen «Watson.ch». Im Oktober vor einem Jahr hatte das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög) der Universität Zürich zum qualitativ drittbesten Onlineportal der Schweiz gekürt. «Watson.ch» titelt damals selbstironisch: «Jetzt wissenschaftlich bewiesen: watson doch nicht so scheisse wie angenommen». Heute könnte man das «nicht» wohl streichen, sofern man dem neuen Qualitätsrating Glauben schenken will. Wäre die Onlinezeitung jedoch in der Vergleichsgruppe «Boulevard- und Pendlerzeitungen» gelandet, stände es nicht so düster um die Platzierung. Dies bestätigen auch die Studienverfasser: «Das mobile Newsportal watson.ch ist im Jahr 2014 mit hohen Ansprüchen gestartet.» Die Onlinezeitung werde denn Ansprüchen jedoch noch nicht gerecht. «Dies ist allerdings auch dem Umstand geschuldet, dass watson.ch im Vergleich mit den anderen Titeln der Vergleichsgruppe stärker auf einen Mix zwischen Information / Hintergrund und Unterhaltung / leichter Kost setzt.» Im Segment der Pendler- und Boulevardzeitungen hätte «Watson.ch» eine Spitzenplatzierung erreicht.

«Blick» weit abgeschlagen
Regula Stämpfli, Politikwissenschaftlerin, kritisierte auf «Klein Report», dass das Medienqualitätsrating speziell von den Medien unkritisch aufgenommen worden sei. Ehemalige, gegenwärtige und durch Auftragsstudien mit der SRG, NZZ und Tamedia verflochtene Personen hätten hier die Medienqualität der Schweiz bewertet und seien zum Ergebnis gekommen: «Die SRG gewinnt mit ‹Echo der Zeit› unter den Informationsmedien, die NZZ brilliert unter den Zeitungen, knapp gefolgt von Tagi und ‹SonntagsZeitung›.» Es bleibt jedoch anzumerken, dass Stämpfli als Kolumnistin für die Gratiszeitung «Blick am Abend» arbeitet. Und die Blick-Titel sind in der Gruppe Boulevard- und Pendlerzeitungen weit abgeschlagen. Trotzdem lässt sich der Vorwurf nicht ganz von der Hand weisen. Mark Eisenegger, Präsident des Fög, zeichnete sich gemeinsam mit Vinzenz Wyss von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und Diana Ingenhoff, vom Departement für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Universität Fribourg, für die wissenschaftliche Seite der Studie verantwortlich. Eisenegger und Wyss gelten beide als Verfechter des öffentlichen Rundfunks, also namentlich der SRG. Sowieso war es für die SRG ein Leichtes, die Konkurrenz in der Vergleichsgruppe «Radio- und Fernsehsendungen» hinter sich zu lassen. Acht der zehn untersuchten Angebote waren SRG-Sendungen. Schlusslichter sind die Nicht-SRG-Sendungen «Léman Bleu – Le Journal» und «TeleZüri – ZüriNews». Die SRG erhält mit Abstand am meisten Geld aus dem Gebührentopf.

Die goldene Ananas
Trotzdem ist das neue Medienqualitätsrating eine interessante Ergänzung zum «Jahrbuch Qualität der Medien», welches das Fög jährlich herausgibt. Erstmals wurde auch die Qualitätswahrnehmung des Publikums miteinbezogen. Das kann gerade bei «Watson.ch» einen grossen Einfluss haben, weil viele qualitative Artikel immer noch in den vielen Listicles und Katzenbilder untergehen. Für die Ausgabe 2016 des Medienqualitätsratings wurden 43 Medientitel (Presse, Radio, Fernsehen sowie Online) untersucht. Für das Sample seien nur Medientitel berücksichtigt worden, «die zumindest wöchentlich über ein breites, universelles Themenspektrum unter Einschluss von Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft berichten». Die Berichterstattungsqualität hat man mit einer Inhaltsanalyse gemessen, die Qualitätswahrnehmung mittels zweier Online-Befragungen.

Das goldene «Q» ist eine Art goldene Ananas der Medienqualität. Nur wenn die Schweizer Medien das Qualitätsrating auch ernst nehmen, hat die Auszeichnung mehr als nur ideellen Wert. Dieses Jahr wurde die «NZZ» in der Gruppe «Tages- und Onlinezeitungen», die «NZZ am Sonntag» (Vergleichsgruppe «Sonntagszeitungen und Magazine»), die Online-Ausgabe von «20 Minuten», «20minuten.ch», in der Gruppe «Boulevard- und Pendlerzeitungen» und die Informationssendung «SRF Echo der Zeit» bei den Radio- und Fernsehsendungen ausgezeichnet. Es ist geplant, das Ranking im Zwei-Jahres-Rhythmus vorlegen zu können. Die Schlusslichter haben also theoretisch noch Zeit, um in Sachen Qualität aufzuholen.

  • Engesser, S. (2013). Die Qualität des Partizipativen Journalismus im Web: Bausteine für ein integratives theoretisches Konzept und eine explanative empirische Analyse. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Meier, K. (2013). Journalistik (3rd ed.). Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft.
    Rau, H. (2007). Qualität in einer Ökonomie der Publizistik: Betriebswirtschaftliche Lösungen für die Redaktion. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Ruß-Mohl (1992). Am eigenen Schopfe…: Qualitätssicherung im Journalismus – Grundfragen, Ansätze, Näherungsversuche. Publizistik, 37(1), 83-96.
  • Wilke, J. (2003). Zur Geschichte der journalistischen Qualität. In Hans-Jürgen Bucher, Klaus-Dieter Altmeppen (Eds.): Qualität im Journalismus: Grundlagen – Dimensionen – Praxismodelle (pp. 35-54). Wiesbaden: Westdeutscher Verlag.
  • Wyss, V. (2002). Redaktionelles Qualitätsmanagement: Ziele, Normen, Ressourcen. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft.

Zeitungstitel verschwinden nicht einfach so, dazu tragen wir alle gemeinsam bei

Die Schweiz soll einst als Land mit der weltweit höchsten Zeitungsdichte gegolten haben. Heute hat sich das schon ziemlich relativiert. 2014 verfasste Catherine Duttweiler in der «Zeit» dazu einen Warnruf: «Ein starker Lokaljournalismus kontrolliert als vierte Gewalt die lokalen Würdenträger. Doch die großen Verlage untergraben diese Grundlage unserer Demokratie.»

Immer mehr kleinere Zeitungen werden eingestellt oder verlieren ihre Eigenständigkeit. Ein Grund dafür: die grossen Verlage suchen nach Synergien. So erscheinen seit 2011 die Tageszeitungen «Zürcher Oberländer», «Landbote», «Zürichsee-Zeitung» und «Zürcher Unterländer» mit einem gemeinsamen Zeitungsmantel, der anfänglich noch vom «Landboten» in Winterthur, und nun von der «Berner Zeitung» geliefert wird. Das heisst im Klartext: Der lokale Teil entsteht noch lokal, alles andere stammt aus Bern. Aktuell noch eigenständig, aber immerhin bald schon mit gleichem Redaktionssystem, sind indes das «St. Galler Tagblatt» und die «Neue Luzerner Zeitung». Laut «persoenlich.com» rücken die zum gleichen Verlag gehörenden Zeitungen näher zusammen. «So soll in Zukunft das Layout und das Redaktionssystem der regionalen Ausgabe der beiden Zeitungen einheitlich sein.» Zudem haben sie einen gemeinsamen Chefredaktor erhalten. Zu beiden Zeitungen gehören verschiedene regionale Titel, die im Kopfblatt-Mantel-System erscheinen. Beim «St. Galler Tagblatt» sind es unter anderem die «Appenzeller Zeitung», die «Wiler Zeitung», oder die «Thurgauer Zeitung», bei der «NLZ» die «Neue Zuger Zeitung» oder die «Neue Urner Zeitung». Langfristig ist ein gemeinsamer Mantel für die insgesamt 14 Regionaltitel geplant.

Doch die Verlage sind nicht einfach die Bösen: Natürlich kann man monieren, dass die Vielfalt wegen der Suche nach Einsparmöglichkeiten verschwindet. Ein Grund dafür, dass diese Einsparungen überhaupt nötig werden, liegt bei der «Bezahlfaulheit» der Leser. Wenn ich in meinem Umfeld nachfrage, welche Zeitungen gelesen werden, dann liegen die Gratismedien (Print und Online) ganz weit vorne. Man informiert sich kostenlos online oder mit einer Gratiszeitung im öffentlichen Verkehr. Ein Abo hat praktisch keiner mehr. Es sind also beide Seiten, die am Rückgang Schuld sind: Einerseits die Verlage, die nicht mehr nur aus «noblen Gründen» Zeitung machen und teilweise ihren Umsatz gar nicht mehr mit ihrem ursprünglichen Kerngeschäft erwirtschaften und andererseits die Leser, die sich mit ihrem Hang zur «Gratiskultur» keine Zeitungsabonnemente mehr leisten.

Gerade Regional- und Lokalzeitungen sind auf die lokale Verankerung angewiesen. Sie sind für das lokale Gewerbe die einfachste Möglichkeit, die lokale Kundschaft zu erreichen. Wenn aber dieser Werbemarkt durch mangelnde Leser schwindet, dann bedeutet dies über Kurz oder Lang das Ende der Zeitungstitel. Das geht dann in die gleiche Richtung, wenn man das Verschwinden der kleinen Läden in den Innenstädten betrauert, aber nur bei den grossen Ketten oder im Internet einkauft.

Die farbenfrohste Online-Zeitung der Welt

watson.ch - online seit Januar 2014
watson.ch – online seit Januar 2014

Gegen sie ist The Huffington Post eine Bleiwüste. Sie ist die farbenfrohste Online-Zeitung der Welt – zumindest der Schweiz – und die Artikel haben beinahe mehr Bilder als Zeichen. watson ist also ähnlich wie mein Blog: Mehr Bilder und Videos als Text. Mit einem Mix aus Information und Zeitvertreib sowie multimedialen Erzählformen wolle sich watson vor allem bei einer jungen, mobilen Leserschaft etablieren. Wer digital native, urban, vernetzt, mobil und nicht zuletzt kaufkräftig ist, der gehört zur Zielgruppe. Für mich ist sie zu überladen und zu farbenfroh. Was haltet ihr davon?

Wer gehört zu wem?

Screenshot NZZ.ch Lobbying im Bundeshaus
Screenshot NZZ.ch Lobbying im Bundeshaus

Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) hat die Interessenbindungen der Parlamentarier in Bundesbern visualisiert. Die interaktive Grafik basiert auf der offiziellen Liste der zum National- und Ständerat Zutrittsberechtigten. «Jedes Ratsmitglied kann 2 Personen (Gast – Familienmitglieder, Freund/in, Lebenspartner/in, usw. -, Persönliche/r Mitarbeiter/in, Interessenvertreter/in) Zutritt zu den nicht öffentlichen Bereichen des Parlamentsgebäudes ermöglichen», steht auf der offiziellen Seite des Parlaments. Zusätzlich hat die NZZ die Daten des Handelsregisters mit Stand 12. Februar 2014 ausgewertet und die Ergebnisse zur Darstellung der Interessenbindungen mit den Personen verknüpft.

NZZ: Lobbying im Bundeshaus

War sicher eine Heidenarbeit und lässt etwas tiefer in den Interessen-Dschungel blicken. Ich finde es supergeil. 😉

Eine heikle Entscheidung

Am Sonntagabend staunte ich höchstens über die hohe Stimmbeteiligung. Es kam wie es kommen musste. Auch wenn das Resultat äusserst knapp war, sollte es dem Schweizer Bundesrat eine Lehre sein. In den letzten Wochen hatte sich ein Stimmungswandel abgezeichnet, auf den die Gegner der Initiative gegen Masseneinwanderung nicht adäquat reagierten. Wir stehen zwar (noch) nicht vor einem Scherbenhaufen, die nächsten Schritte müssen aber gut geplant werden. Ich persönlich habe gegen diese Initiative gestimmt und lebe auch in einem der wenigen Deutschschweizer Kantone, der mehrheitlich dagegen war. Am Ende des Tages nützt dies nichts. Demokratie ist Demokratie und muss respektiert werden. Ich hoffe einfach, dass die Schweiz ihre gestrige Entscheidung nicht bald bereuen muss.

Für den geneigten Leser noch ein paar nette Informationen zur Initiative bzw. zu deren Annahme: